Logistik

Österreich führt Paketabgabe ein: Vorbild für Deutschland?

von Dominik Grollmann

28.04.2026 Österreich plant eine Abgabe von rund zwei Euro pro Paket für große Onlinehändler. Die Maßnahme könnte den Wettbewerb verändern und Preise beeinflussen. Auch in Deutschland und auf EU-Ebene wächst der politische Druck auf den Versandhandel.

 (Bild: ChatGPT)
Bild: ChatGPT
Österreich will große Onlinehändler künftig mit rund zwei Euro pro Paket belasten. Dies hat die österreichische Regierung vergangene Woche im Ministerrat beschlossen. Betroffen sind vor allem internationale Plattformen wie Amazon    oder Zalando   , sofern sie eine Umsatzschwelle von 200 Millionen Euro im österreichischen Markt überschreiten.

Die Abgabe soll voraussichtlich ab Oktober greifen und jährlich rund 280 Millionen Euro in die Staatskasse spülen. Ziel ist es, unter anderem Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren und den Onlinehandel stärker an den Folgekosten des boomenden Paketverkehrs zu beteiligen.

Auswirkungen für Händler und Preise

Auch wenn die Abgabe formal Unternehmen betrifft, rechnen Beobachter damit, dass Händler die zusätzlichen Kosten zumindest teilweise an KundInnen weitergeben. Höhere Produktpreise oder steigende Versandkosten gelten als wahrscheinlich. Kritiker warnen daher vor indirekten Belastungen für den Onlinekonsum.

Noch allerdings sind zentrale Details der Maßnahme ungeklärt. Dazu zählt etwa, wie Umsätze über Marktplätze bewertet werden oder wie genau ein "Paket" definiert ist. Ebenso offen ist der Umgang mit Retouren oder Reparatursendungen. Soviel steht immerhin schon fest: Click-and-Collect-Angebote sowie lokale Essenslieferungen sollen ausgenommen sein.

Parallel zur Paketabgabe plant Österreich eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel von zehn auf 4,9 Prozent. Die Finanzierung soll teilweise aus den neuen Einnahmen erfolgen. Eine alternative Abgabe auf Kunststoffverpackungen wurde zuvor verworfen.

EU nimmt Drittstaatenhandel ins Visier

Während ein ähnliches Modell in Deutschland aktuell nicht konkret diskutiert wird, beobachten Politiker auch hierzulande den steigenden Paketverkehr und mögliche Wettbewerbsverzerrungen. Die österreichische Regelung könnte daher als Vorlage für weitere nationale Initiativen dienen.

Auf EU-Ebene sind bereits Maßnahmen beschlossen: Für Pakete aus Nicht-EU-Ländern sollen künftig rund drei Euro pro Sendung anfallen. Ziel ist es, Wettbewerbsnachteile für europäische Händler zu reduzieren und Geschäftsmodelle von Plattformen wie Temu   oder Shein   stärker zu regulieren (siehe: Temu-Strafzoll kommt schon ab Juli 2026.
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