Ökologie

Nachhaltigkeit im Onlineshop: Siegel vorhanden, Orientierung fehlt

von Susan Rönisch

13.10.2026 Viele Online-Shops informieren über Nachhaltigkeitszertifizierungen, machen sie aber erst auf der Produktdetailseite sichtbar. Eine Untersuchung von 40 Shops zeigt, wie unterschiedlich HändlerInnen Kennzeichnungen und Filter einsetzen, und wo vergleichbare Produktdaten fehlen.

 (Bild:  Shafin Al Asad Protic auf Pixabay)
Bild: Shafin Al Asad Protic auf Pixabay
85 Prozent der untersuchten Online-Shops zeigen auf ihren Produktdetailseiten Informationen zu Nachhaltigkeitszertifizierungen unabhängiger Siegelgeber. Doch nur 28 Prozent heben nachhaltigere Produkte bereits in den Suchergebnissen hervor. Das geht aus dem Whitepaper "Ohne Handel keine Transformation" hervor. Zwischen der Verfügbarkeit einer Information und ihrer Sichtbarkeit bei der Produktauswahl liegt damit ein deutlicher Unterschied.

Die Studien-AutorInnen untersuchten vom 1. Mai bis zum 2. Juni 2026 insgesamt 40 gezielt ausgewählte Online-Shops verschiedener Größen und Branchen. Der Schwerpunkt liegt auf Plattformen für GeschäftskundInnen; einbezogen wurden auch Anbieter für private und gewerbliche KäuferInnen. Die Auswahl ist nicht repräsentativ. Die Ergebnisse beschreiben die untersuchten Shops, nicht den gesamten Onlinehandel.

Auf der Detailseite ist das Siegel oft versteckt

Selbst dort, wo Zertifizierungsinformationen vorhanden sind, fallen sie nicht unbedingt auf: Nur bei rund einem Viertel der Shops mit solchen Informationen werden die Labels nach Einschätzung der AutorInnen deutlich sichtbar angezeigt. Bei den übrigen stehen die Angaben eher im Beschreibungstext; teilweise müssen KundInnen die entsprechenden Passagen erst aufklappen.

Die AutorInnen plädieren deshalb dafür, Nachhaltigkeitsinformationen bereits in Trefferlisten sichtbar zu machen. Dort entscheiden KäuferInnen, welche Produkte sie näher ansehen. Ein Siegel auf der Detailseite erreicht dagegen zunächst jene, die den Artikel bereits ausgewählt haben. Ob eine frühere Kennzeichnung tatsächlich zusätzliche Käufe auslöst, misst die Shop-Untersuchung allerdings nicht.

Filter grenzen ein, schaffen aber noch keinen Vergleich

50 Prozent der untersuchten Shops bieten Filter mit Merkmalen an, die dem Themenfeld Nachhaltigkeit zuzuordnen sind. Etwa zwei Drittel dieser Shops verfügen über entsprechende Filter über mehrere Produktkategorien hinweg. Die Quote sagt allerdings nichts darüber aus, wie umfassend die Kriterien sind: Das Whitepaper zählt auch Eigenschaften wie "Allergiker-geeignet" dazu.

Hinzu kommt ein Datenproblem. Die relevanten Merkmale unterscheiden sich je nach Warengruppe: Bei Druckerpapier kann der Altpapieranteil wichtig sein, bei Monitoren der Stromverbrauch. Für eine differenzierte Auswahl benötigen HändlerInnen daher passende, strukturierte Produktdaten. Fehlen diese, lassen sich die Kriterien auch nicht als Filter anbieten.

Eigene Programme zur Bewertung und Kennzeichnung nachhaltigerer Produkte betreiben 23 Prozent der untersuchten Shops. Nach Einschätzung der AutorInnen bleibt dabei häufig unklar, welche konkreten Eigenschaften eines Artikels seine Einstufung begründen. Eine Kennzeichnung allein macht deshalb noch nicht nachvollziehbar, worin sich zwei Produkte unterscheiden.

Bewertungen brauchen nachvollziehbare Maßstäbe

Als Ergänzung zu Siegeln und Filtern empfiehlt das Whitepaper abgestufte Bewertungen. Ein Siegel zeigt, ob ein Produkt bestimmte Anforderungen erfüllt. Eine Skala soll zusätzlich Unterschiede zwischen Produkten derselben Warengruppe abbilden und eine Sortierung nach Nachhaltigkeitsmerkmalen ermöglichen.

Ausführlich stellt das Papier dafür den ESG-Score   vor. Mitautor Jan Bussiek   hat ESG-Score.org gegründet; diese Verbindung ist bei der Einordnung der Empfehlung zu berücksichtigen. Bei Unite   ist die Sortierfunktion laut Untersuchung bereits auf der Beschaffungsplattform Mercateo    verfügbar.

Der vorgestellte Score reicht von null bis 100. Das Produkt mit der höchsten erreichten Punktzahl innerhalb einer Warengruppe erhält den Wert 100; die anderen Werte werden relativ dazu berechnet. Eine Höchstbewertung bedeutet damit die beste Bewertung innerhalb der jeweiligen Vergleichsgruppe. Der Score vergleicht keine unterschiedlichen Warengruppen und berücksichtigt derzeit weder die Alternative eines generalüberholten Produkts noch Unterschiede bei Transportwegen.

Die praktische Aufgabe reicht somit über das Einblenden eines zusätzlichen Symbols hinaus: Zertifizierungen müssen den richtigen Artikeln zugeordnet, Daten gepflegt und Bewertungskriterien zugänglich gemacht werden. Als nächste Schritte empfehlen die AutorInnen sichtbare Informationen in Trefferlisten, ergänzende Skalenbewertungen und Nachhaltigkeit als Sortierkriterium. Einen Umsatzgewinn durch diese Maßnahmen belegt die eigene Untersuchung nicht.
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