Onlinehändler Zavvi ist insolvent: Auch Deutschlandgeschäft eingestellt
14.10.2026 Der britische Onlinehändler Zavvi hat Insolvenz angemeldet und seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. Betroffen ist auch der deutsche Onlineshop.
Am 12. Oktober 2026 wurden Chris Skey und Kerry Bailey von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO LLP zu Insolvenzverwaltern der britischen ZavviGroup Ltd bestellt. Der Onlinehändler Zavvi hat daraufhin sämtliche Verkaufsaktivitäten eingestellt. Offene Bestellungen und Vorbestellungen werden nicht mehr ausgeliefert, Rücksendungen nicht angenommen. Am britischen Unternehmensstandort Winsford verlieren nach Medienberichten 70 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze. Die Insolvenz betrifft auch das Deutschlandgeschäft. Unter zavvi.de betrieb das Unternehmen einen vollständig lokalisierten Onlineshop mit Euro-Preisen und deutschsprachigem Sortiment. Eine rechtlich eigenständige deutsche Gesellschaft, die den Betrieb fortführen könnte, gibt es nicht. Auf der deutschen Website erscheint inzwischen dieselbe Insolvenzmitteilung wie auf der britischen Plattform.
Wettbewerber verlieren einen spezialisierten Konkurrenten
Mit Zavvi verschwindet ein internationaler Wettbewerber aus dem deutschen Onlinehandel mit Entertainment- und Lizenzprodukten. Der Händler vertrieb unter anderem Blu-rays, limitierte Steelbook-Editionen, LEGO-Sets, Funko-Pop-Figuren und Merchandise zu Marken wie Marvel, Star Wars, Harry Potter und Pokémon. Vor allem bei exklusiven Sammlereditionen und vorbestellbaren Lizenzprodukten hatte sich Zavvi als spezialisierter Anbieter positioniert. Das Unternehmen verkaufte neben seinen eigenen Länder-Shops auch über Marktplätze wie Amazon. Mit der Betriebseinstellung entfallen damit mehrere Vertriebskanäle gleichzeitig.Für konkurrierende deutsche Onlinehändler, insbesondere spezialisierte Anbieter von Filmen, Spielwaren und Sammlerartikeln, könnten sich daraus zusätzliche Absatzchancen ergeben. Denn die Nachfrage nach limitierten Editionen und Fanartikeln muss künftig von anderen Anbietern bedient werden. Wie groß das frei werdende Marktvolumen ist, lässt sich allerdings nicht beziffern. Umsatzzahlen speziell für das deutsche Geschäft liegen nicht vor. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens bestanden bereits länger. In den 18 Monaten bis Ende Oktober 2024 erzielte die ZavviGroup einen Umsatz von 21,9 Millionen britischen Pfund und verzeichnete dabei einen Vorsteuerverlust von rund 1,9 Millionen Pfund.
Im anschließenden fünfmonatigen Geschäftsjahr bis März 2025 setzte das Unternehmen rund zehn Millionen Pfund um. Obwohl der Umsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 22 Prozent stieg, entstand erneut ein Vorsteuerverlust von 495.000 Pfund. Für das Gesamtjahr hatte Zavvi zuletzt mit einem Umsatz von rund 25 Millionen Pfund gerechnet. Im September 2026 leitete die Geschäftsführung erste insolvenzrechtliche Schritte ein. Nachdem die Verhandlungen über eine weitere Finanzierung gescheitert waren, folgte am 12. Oktober die Bestellung der Insolvenzverwalter.
Die Marke Zavvi war 2007 aus den britischen Virgin Megastores hervorgegangen und bereits Ende 2008 erstmals insolvent geworden. 2009 übernahm The Hut Group, heute THG, die Marke und führte sie als reinen Onlinehändler weiter. Im Jahr 2023 verkaufte THG das Geschäft im Rahmen eines Management-Buy-outs, der vom Restrukturierungsinvestor Gordon Brothers finanziell unterstützt wurde. Die erneute Insolvenz beendet nun auch diese zweite Geschäftsphase. Ob einzelne Markenrechte, Warenbestände oder andere Vermögenswerte der ZavviGroup von Wettbewerbern übernommen werden, ist bislang nicht bekannt.
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