"Konjunktureller Gegenwind": Zalando-Umsatz sinkt im Jahr 2022 leicht

08.03.2023

 (Bild: NH-Pressebild)
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Bild: NH-Pressebild unter Creative Commons Lizenz
Zalando   hat im vergangenen Geschäftsjahr 2022 einen Netto-Umsatz von 10,34 Mrd. Euro erzielt. Damit hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr ein klein wenig reduziert. Denn im Geschäftsjahr 2021 konnten die Berliner noch einen Netto-Umsatz von 10,35 Mrd. Euro erwirtschaften. In den Büchern steht damit zwar nun lediglich ein Minus von 0,1 Prozent. Dennoch muss Zalando damit jetzt erstmals ein Geschäftsjahr mit einem Umsatzminus abschließen, nachdem es seit der Shop-Gründung ja jedes Jahr ein Wachstum gegeben hatte.
Zalando Kartons
Bei Zalando sinkt der Jahresumsatz erstmals
Überraschend kommt diese Entwicklung aber nicht. Schließlich hat auch Zalando unter demselben schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gelitten, das vielen Online-Händlern im vergangenen Jahr ebenfalls das Geschäft   erschwerte. Denn die Inflation und steigende Lebenshaltungskosten   belasten seit Anfang 2022 die Kaufkraft der Verbraucher, wodurch auch weniger für Mode ausgegeben wurde. In den Corona-Jahren 2020 und 2021   konnte Zalando zudem ja stark wachsen, weil Verbraucher viele Käufe ins Internet verlagert   hatten. Nach der Pandemie aber haben Verbraucher laut Zalando wieder vermehrt in Geschäften eingekauft. Die Nachfrage im E-Commerce ging daher nach Angaben der Berliner stärker zurück als erwartet und der Corona-Rückenwind habe in einen "konjunkturellen Gegenwind" umgeschlagen. Dennoch konnte auch Zalando in einigen Bereichen zulegen. So hat sich das Brutto-Warenvolumen bei Zalando im Jahr 2022 erneut erhöht und ist um drei Prozent auf einen Wert von 14,8 Mrd. Euro gestiegen. Mit diesem "Gross Merchandise Volume" (GMV) wird der Wert aller Waren beziffert, die über Zalando verkauft werden. Denn hier bietet ja nicht nur Zalando seine eigene Ware an. Über das Partner-Programm der Berliner verkaufen auch externe Händler und Marken ihre Sortimente. Wenn hier verkauft wird, erhält Zalando eine Provision.
Umsatz Zalando
Entwicklung von Zalando (Quelle: eigene Angaben in Mrd. Euro; GMV wird erst ab 2017 ausgewiesen)
Im vergangenen Jahr ist der Anteil der Waren am GMV gestiegen, die von Partnern verkauft wurden. So lag der Anteil der Partner am GMV des Zalando-Shops im vierten Quartal 2022 bereits bei 36 Prozent - und damit sechs Prozentpunkte höher als in dem Vorjahresquartal. Dass nun das GMV steigt und der Umsatz sinkt, ist aber kein Widerspruch   . Wenn nämlich Partner über Zalando verkaufen, erhalten die Berliner ja nur Provisionen und Gebühren. Diese fließen zwar in den Netto-Umsatz ein, fallen aber geringer aus als der Warenwert. Diesen verbucht Zalando nur dann vollständig im Netto-Umsatz, wenn Ware selbst verkauft wird. Wenn also bei einem gleichen Handelsvolumen mehr Ware über Partner verkauft wird, reduziert sich der Netto-Umsatz zwangsläufig. Erhöht hat sich im vergangenen Jahr dafür die Zahl der aktiven Kunden, die um sechs Prozent gestiegen ist und dadurch einen Wert von mehr als 51 Mio. Verbrauchern in Europa erreicht hat. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass Zalando im vergangenen Jahr sein Geschäft ausgebaut hat.

E-Commerce-Expansion in Europa

So wurde der Zalando-Shop erstmals in Ungarn und Rumänien   gestartet, der hauseigene Shopping-Club "Lounge by Zalando   " in Rumänien, der Slowakei und in Litauen neu eingeführt. Damit ist die Lounge nun in 17 Märkten verfügbar, während Zalando über seinen Fashion-Store bereits Kunden in 25 Märkten erreicht. Während sich die Kundenbasis verbreitert hat, sind aber einige Durchschnittswerte gesunken. So gingen die Bestellungen pro aktivem Kunden leicht zurück und auch das GMV pro aktivem Kunden hat sich ein wenig reduziert. Kein Wunder, wenn Inflation und Energiekosten das Budget der Bürger belasten. Verschlechtert hat sich zudem das bereinigte EBIT, das von zuvor 468,4 Mio. Euro (2021) auf nun 184,6 Mio. Euro (2022) gesunken ist. Hauptgrund für diese Entwicklung war eine niedrigere Bruttogewinnmarge. So musste Zalando seine Schlussverkäufe verlängern und Preise anpassen, um die Warenüberhänge zu reduzieren. Denn die schwächere Kauflaune habe dazu geführt, dass es im ganzen Markt zu erhöhten Beständen gekommen sei.
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