Dementi: Idealo.de soll gar kein Online-Marktplatz werden

14.08.2014

 (Bild: NH-Pressebild)
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Bild: NH-Pressebild unter Creative Commons Lizenz
Gestern hatte der auf Angebotsanalysen und Preismonitoring spezialisierte Dienstleister Preisanalytics   berichtet, dass der Online-Preisvergleichsdienst Idealo.de   anscheinend mit einem Strategiewechsel liebäugelt   und sich daher künftig als Online-Marktplatz neu positionieren will   :
"Durch Kundengespräche und eigene Recherchen hat PreisAnalytics erfahren, dass Deutschlands führende Preissuchmaschine www.idealo.de mit dem Gedanken spielt, sich zu einem Marktplatz zu entwickeln."
Tatsächlich bietet Idealo.de bereits seit diesem Frühjahr den so genannten "Idealo Direktkauf   " an, wie das Unternehmen auf Nachfrage von neuhandeln.de verdeutlicht. Wer sich daher beispielsweise für diese Gartenschere von Gardena   interessiert, kann den gewünschten Artikel direkt auf Idealo.de über dieses Checkout-Formular bei Elektroshop Wagner kaufen   :

Direktkauf bei Idealo.deBildquelle: Screenshot

Bei diesem Verfahren handelt es sich aber nach Angaben von Idealo.de um ein Pilotprojekt, so dass momentan lediglich eine Handvoll Händler direkt über Idealo verkaufen (via Mail):
"Dieses Pilotprojekt entspringt dem gemeinsamen Wunsch von idealo und unseren Partnern, eine Alternative zur Checkout-Funktion auf deren Shopseite anzubieten. Die Kauf-Funktion richtet sich primär an Händler, die zwar mit ihren Preisen in unserem Vergleichsangebot absolut konkurrenzfähig sind, aufgrund begrenzter technischer Ressourcen aber nicht mit den komfortablen Zahlungsmöglichkeiten großer Onlinehändler mithalten können."
Konkret bedeutet das: Idealo will auch solchen Händlern zu (Mehr-)Umsätzen verhelfen, die gute Preise, aber letztlich wenig Reichweite haben. Das ist durchaus ein interessanter Gedanke. Gerade kleinere Händler dürften darunter leiden, dass Kunden ihr Angebot in Preissuchmaschinen zwar interessant finden, bislang aber noch nicht beim Händler gekauft haben. In einem zweiten Schritt dürfte das in der Praxis daher oft dazu führen, dass sich Interessenten doch nicht extra bei einem weiteren Händler registrieren wollen und daher vielleicht lieber bei einem großen Anbieter wie Amazon kaufen, wo sie bereits ein Kundenkonto haben - selbst wenn der Artikel dort vielleicht ein paar Euro teurer sein sollte. Im dümmsten Fall zahlt der kleine Händler also einen Klickpreis an Idealo, wenn Kunden über das günstige Angebot in seinem Online-Shop landen - und geht dennoch leer aus, weil Kunden doch woanders kaufen. Vor diesem Hintergrund ist der Direktkauf eine interessante Option, um die zahlreichen kleineren Händler bei Laune zu halten - was auch Idealo so sieht:
"Wir bei idealo haben uns mit diesem Projekt als Ziel gesetzt, an dieser Stelle eine Chancengleichheit unter all unseren Partnershops zu schaffen und richten die Funktionalitäten dieses neuen Features ausdrücklich an den Bedürfnissen kleinerer Onlinehändler aus."
Mit dem Direktkauf schafft Idealo aber keine Chancengleichheit. Im Gegenteil. Denn gleich behandelt werden die Partner ja nicht mehr, wenn man den Kleinen unter die Arme greift. Das dürfte Big Playern wie Amazon unter Umständen nicht schmecken, obwohl man es sich mit den Dickschiffen nicht verscherzen will und deshalb am etablierten Geschäftsmodell festhält:
"An unserem Geschäftsmodell ändert sich nichts: Idealo will kein Marktplatz sein, sondern ist und bleibt Deutschlands großer unabhängiger Preisvergleich."
Erschwerend kommt hinzu, dass der Direktkauf kaum einen Mehrwert für Kunden bietet. Denn eine Lieferadresse angeben muss man auch, wenn man direkt bei Idealo.de kaufen will   . Das bedeutet damit also nach wie vor mehr Aufwand als beispielsweise einfach ein bereits vorhandenes Kundenkonto bei Amazon zum Einkauf zu benutzen. Bezahlen kann man bei Idealo zudem nur über Paypal, während der Elektroshop Wagner   beispielsweise gleich ein halbes Dutzend an Zahlverfahren   anbietet. Und mehr als eine Lieferadresse eintippen muss man auch dort nicht, wenn man wie gewohnt im Online-Shop des Partners bestellen will. Wirkliche Vorteile für Kunden fehlen also. Dazu verschärft der Direktkauf zusätzlich die Konkurrenz für große Partner auf dem Preisportal, wenn Idealo.de kleinere Händler bevorteilt. Peter Höschl von Shopanbieter.de hält zwar entgegen, dass Idealo über einen höheren Bekanntheitsgrad verfüge als ein unbekannter kleinerer Händler und Kunden deshalb vielleicht lieber bei Idealo direkt kaufen   . Dieses Argument zieht für mich aber nicht, da der Kunde ja auch auf Idealo.de bei einem unbekannten Händler kaufen muss und die Ware nicht direkt vom Preisportal stammt. Der Direktkauf dürfte daher wohl auch auf lange Sicht ein Testlauf bleiben.