Commerce

KI und Shops: Vor allem bei Cyberangriffen ein Trend-Thema

von Sebastian Halm

15.07.2026 Produktsuche hin und Agenten her: Es gibt einen ECommerce-Bereich, in dem KI noch beliebter und folgenreicher sein wird: Bei Cybercrimes.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Der Handel wird zum Brennpunkt KI-gestützter Cyberangriffe. Im Dezember 2025 gingen 47,9 Prozent des gesamten Handels-Traffics im weltweiten Netzwerk von Akamai   auf KI-Bots zurück. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht "Sicherung agentischer digitaler Schaufenster: Angriffe auf den Handelssektor" hervor. Mit dem Aufstieg des Agentic Commerce müssen Händler dabei zunehmend zwischen erwünschten Einkaufsagenten, Trainings-Crawlern und schädlichen Bots unterscheiden. Mehr als 70 Prozent der registrierten KI-Bot-Aktivitäten entfielen auf Crawler, die Inhalte für große Sprachmodelle sammeln. Die am häufigsten beobachteten Bots stammten von OpenAI, ByteDance und Anthropic.

"Wir sichern eine digitale Welt, in der der 'Kunde' zunehmend ein KI-Agent ist, der im Auftrag eines menschlichen Nutzers handelt", sagt Patrick Sullivan, Chief Technology Officer of Security Strategy bei Akamai. Händler müssten legitime KI-Agenten zulassen, zugleich aber schädliche Bots konsequent abwehren.

KI-Agenten verschleiern Betrugsversuche

Nach Einschätzung der StudienautorInnen können autonome Shopping-Agenten menschliches Verhalten so genau imitieren, dass traditionelle Betrugserkennung an Wirkung verliert. Kriminelle kapern zudem legitime KI-Assistenten, um gespeicherte Zahlungsdaten zu missbrauchen. Große Sprachmodelle helfen ihnen außerdem dabei, synthetische Identitäten und sogenannte Frankenstein-Konten aus echten und erfundenen Daten zu erzeugen. Eine besonders große Angriffsfläche bieten die Schnittstellen der Händler. Die Zahl der Webangriffe auf APIs nahm binnen eines Jahres um neun Prozent zu. Einer ergänzenden API-Sicherheitsstudie   zufolge haben 85 Prozent der befragten Handelsunternehmen innerhalb eines Jahres mindestens einen API-Sicherheitsvorfall erlebt. Nur 22 Prozent wissen jedoch, welche ihrer Schnittstellen sensible Daten offenlegen.

Hinzu kommen massive Angriffe auf die Verfügbarkeit der Shops. Im Jahr 2025 registrierte Akamai im Handel nahezu drei Billionen DDoS-Angriffe auf der Anwendungsebene. 84 Prozent des Volumens entfielen auf den Einzelhandel. Besonders zu umsatzstarken Zeiten überfluten HTTP-Botnetze Shops und APIs, überlasten Anwendungsserver und können den Verkauf vollständig zum Stillstand bringen. Auch klassische Angriffsmethoden werden zunehmend automatisiert. Zwischen November 2025 und April 2026 entfielen 56,5 Prozent der beobachteten Bedrohungen auf Endgeräten auf Malware und 37,6 Prozent auf Phishing. Das durchschnittliche tägliche Phishing-Aufkommen bei Handelskunden stieg von 56.600 Fällen im Februar auf 134.600 im April. Ziel sind häufig Kundenkonten, Zahlungsinformationen und Treuepunkte.

Akamai empfiehlt Händlern deshalb, ihre gesamte API-Landschaft zu inventarisieren und Bots nicht mehr pauschal zuzulassen oder zu blockieren. Stattdessen sollten sie automatisierten Traffic nach Absicht, Risiko und geschäftlichem Nutzen bewerten. Weitere Maßnahmen sind Mikrosegmentierung, Verhaltensbiometrie, risikobasierte Mehrfaktor-Authentifizierung und automatische Sperrmechanismen für kompromittierte Konten.

Bislang klafft dabei eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung: 92 Prozent der untersuchten Unternehmen setzen zwar eine grundlegende Netzwerksegmentierung ein, aber nur 35 Prozent haben eine weitergehende Mikrosegmentierung umgesetzt.
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