Strategie

Otto öffnet Marktplatz für EU-Händler - Einstieg ohne deutsche Gesellschaft möglich

von Dominik Grollmann

27.02.2026 Der Hamburger Onlinehändler Otto lockert seine Zugangsvoraussetzungen: Künftig können auch EU-Händler ohne deutsche Niederlassung auf dem Marktplatz verkaufen. Der Schritt erweitert den Zugang zu rund 12,2 Millionen aktiven KundInnen - bleibt aber klar kuratiert.

 (Bild: Otto Group)
Bild: Otto Group
Der Onlinehändler Otto    will seinen Marktplatz 2026 schrittweise für Händler aus der Europäischen Union öffnen und hebt dafür bisherige Beschränkungen bei Zahlungsabwicklung und Mehrwertsteuer auf, berichtet das Portal Marketplace Universe   unter Berufung auf eine Unternehmenssprecherin. EU-basierte VerkäuferInnen sollen sich künftig bewerben können, ohne eine deutsche Gesellschaft gründen zu müssen.

Ein konkreter Zeitplan steht noch aus. Weitere Details kündigt Otto für Ende März 2026 an. Klar ist jedoch: Die Öffnung erfolgt gestaffelt, voraussichtlich zunächst für Händler aus den Niederlanden, anschließend für weitere EU-Länder.

An der grundsätzlichen Ausrichtung ändert sich nichts. Schwerpunkte liegen traditionell in den Kategorien Fashion und Möbel. Beide Bereiche vereinen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes auf sich. Otto setzt weiterhin auf ein bewerbungsbasiertes, kuratiertes Onboarding. HändlerInnen werden nach Sortimentspassung, Logistikleistung, Servicekennzahlen, Datenqualität und Kategorie-Kompatibilität geprüft.

Logistik in eigener Verantwortung

Ein eigenes Fulfillment-Programm wie bei Amazon bietet Otto nicht an. MarktplatzhändlerInnen sind für Versand, Sendungsverfolgung und Retourenabwicklung selbst verantwortlich. In der Praxis setzt das häufig eine Logistiklösung mit deutschem Lagerstandort voraus. Zudem erwartet Otto stabile Preisstrukturen, hochwertige Produktdaten in deutscher Sprache sowie - insbesondere in den Kategorien Fashion und Home - belastbare Angaben zu Materialien und Nachhaltigkeitsaspekten.

Für internationale Marken, die den deutschen Markt erschließen wollen, entsteht damit ein zusätzlicher Zugangskanal. Der Marktplatz öffnet sich strukturell, bleibt aber kontrolliert. Otto positioniert sich damit als kuratierte Alternative zu offenen Plattformmodellen.

Mit einem Bruttowarenvolumen von rund 7,67 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 und etwa 44,9 Millionen Bestellungen zählt Otto zu den größten E-Commerce-Anbietern in Deutschland. Davon entfallen rund 1,99 Milliarden US-Dollar auf das Marktplatzgeschäft. Das Modell bleibt jedoch klar händlergeführt: Das Eigenhandelsgeschäft dominiert weiterhin.
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