Katalog des Jahres B2C Shortlist Hut.de

Zwischen Modejournal und Katalog: HUT.de überzeugt mit Storytelling

von Susan Rönisch

20.03.2026 Mit der 14. Ausgabe seines Herbst-/Winter-Magazins schafft es HUT.de (ANTHEC GmbH & Co. KG) auf die Shortlist in der Kategorie B2C. Statt klassischem Produktkatalog präsentiert der Multichannel-Händler ein redaktionell geführtes Stilmagazin, das Inspiration, Eigenmarkenprofilierung und Commerce-Integration konsequent verbindet.

 (Bild: Hut.de; Scan: Versandhausberater)
Bild: Hut.de; Scan: Versandhausberater
Bereits das Cover signalisiert Anspruch: Eine bibliophile Szenerie, ruhige Farbigkeit, klare Typografie. "HUT.de" steht nicht als Händler im Vordergrund, sondern als kuratierende Instanz für Kopfbedeckungen. Der Einstieg über das Editorial positioniert das Magazin explizit als Inspirationsmedium - mit Trendbegriffen wie "Berry Shades", "Dark Academia" oder "K-Pop-Look".

Das HUT.de Magazin folgt keiner klassischen Sortimentslogik. Es erzählt Geschichten. Jede Trendstrecke ist ein in sich geschlossenes Narrativ - mit eigenem visuellen Kosmos, eigener Farbwelt und eigenem emotionalen Subtext. "Berry Shades" inszeniert Tiefe und Sinnlichkeit, "Dark Academia" evoziert Intellektualität und Retro-Ästhetik, "Edgy Korean Chic" transportiert urbane Coolness. Großformatige Bildflächen dominieren, Produktinformationen treten typografisch zurückhaltend hinzu. Preise und Artikelnummern sind integriert, aber nicht verkaufsaggressiv.

Die Produkte sind dabei nicht Ausgangspunkt, sondern Bestandteil des Storytellings. Hüte werden nicht isoliert gezeigt, sondern als Protagonisten innerhalb eines stilistischen Szenarios. Dadurch verschiebt sich die Wahrnehmung: Der Katalog verkauft nicht nur Accessoires, sondern Identitäten. Für ein Handelsmedium ist diese Inszenierung bemerkenswert. HUT.de nutzt Print nicht primär als Abverkaufsfläche, sondern als kuratiertes Modemagazin mit klarer Bildsprache.

Auffällig ist die prominente Integration der Eigenmarke Lierys. Hier wird Markenprofilierung betrieben: Qualität, Nachhaltigkeitsanspruch und Handwerkskunst werden ausführlich erläutert und in einen Kontext gestellt, der die Marke als Figur innerhalb der Gesamtgeschichte positioniert.

Die Produktdarstellung erfolgt in Grid-Logik mit klarer Preistransparenz, flankiert von emotionalen Modelbildern. Auch Mayser erhält eine eigene Markenstrecke. Tradition und Handwerk werden erzählerisch eingebunden. Diese Markenseiten fungieren als Vertrauensanker im ansonsten sehr trendgetriebenen Magazin.

Die Markenseiten wirken dadurch nicht wie klassische Herstellerporträts, sondern wie Kapitel innerhalb eines größeren Narrativs. HUT.de übernimmt die Rolle des Kurators und Regisseurs zugleich - und stärkt so die eigene Autorität im Modediskurs.

Die Strecke "Rollbare Hüte" verbindet redaktionelle Erklärung mit funktionalem Mehrwert. Technologische Begriffe wie VitaFelt® werden erläutert, Vorteile wie Knautschbarkeit oder Wasserabweisung klar beschrieben. Hier zeigt sich eine didaktische Komponente, die über reine Modeästhetik hinausgeht.

Auch die Ohrenklappen-Strecke kombiniert Trend und Nutzen. Materialien, Wärmeleistung und Stylingoptionen werden sachlich erklärt. Der Katalog beweist damit, dass Content-Marketing und Produktinformation keine Gegensätze sein müssen.

Besonders gefallen hat der Jury die Rubrik "Wir sind HUT.de". Mit der Vorstellung eines Store-Mitarbeiters wird Transparenz geschaffen und gleichzeitig Employer Branding betrieben. Für ein B2C-Magazin ist diese Integration ungewöhnlich - sie stärkt jedoch die Markenpersönlichkeit.

Im Service-Teil werden Multichannel-Leistungen klar kommuniziert: Stores in mehreren Städten, kostenfreie Lieferung und Rücksendung, vielfältige Zahlungsarten. QR-Codes in mehreren Strecken verweisen auf vertiefende Inhalte und Onlineshop-Kategorien. Print fungiert hier als Einstieg in ein digital angebundenes Commerce-System.

Das HUT.de Magazin ist weniger Katalog als erzählerisches Markeninstrument. Storytelling ersetzt hier die traditionelle Angebotslogik. Print wird zur Bühne für stilistische Welten, in denen Produkte selbstverständlich integriert sind.

Für die Jury zeigt diese Shortlist-Nominierung, wie hochwertiger B2C-Print im Jahr 2026 funktionieren kann: nicht über Preisargumentation, sondern über Identitätsangebote. HUT.de beweist, dass Storytelling im Handel kein Selbstzweck ist, sondern eine präzise eingesetzte Verkaufsstrategie.

Herausgeber: ANTHEC GmbH & Co. KG/ Hut.de
Erstveröffentlichung: 10/2020
Umsetzende Agentur: ANTHEC GmbH & Co. KG
Frequenz: 2x jährlich
Art: Hauptkatalog
Zielgruppe: HutträgerInnen/ Fashion-affine Menschen
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