Nach kurzem Aufschwung: Konsumlaune bröckelt schon wieder
03.03.2026 Die Stimmung der deutschen VerbraucherInnen verschlechtert sich nach einem leichten Aufschwung zu Jahresbeginn schon wieder, zeigt das aktuelle Konsumbarometer des Handelsverband Deutschland (HDE) - dabei sind die neuen Verwicklungen im Nahen Osten in der Umfrage noch gar nicht eingepreist.
Grund für die Zurückhaltung sind laut HDE insbesondere pessimistischere Einkommenserwartungen. Diese liegen inzwischen wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Auch die Konjunkturerwartungen fallen im Vergleich zum Vormonat schwächer aus, wenngleich sie noch etwas optimistischer sind als zum Jahreswechsel.
Besonders problematisch: In der gerade veröffentlichten Prognose sind die neuen Verwicklungen im Nahen Osten noch gar nicht eingepreist. Diese dürften sich zusätzlich über vier Wirkungsstränge auf die Wirtschaft und Konsumlaune auswirken:
- Energiepreise: Steigende Rohölpreise verteuern Treibstoffe und erhöhen mittelfristig den Druck auf Gas- und Strommärkte. Energie ist nicht nur ein direkter Kostenfaktor für Handelsbetriebe - sie steckt auch in nahezu allen Produkten, von landwirtschaftlichen Vorleistungen wie Düngemitteln bis hin zu Verpackungen und industriellen Komponenten und belasten natürlich auch direkt private Geldbeutel.
- Transport- und Logistikkosten: Störungen im See- und Luftverkehr, höhere Versicherungsprämien für Schiffe in Risikoregionen sowie Umwege im internationalen Frachtverkehr führen zu steigenden Kosten pro Container und pro Luftfracht-Kilogramm. Werden Transportwege unsicherer oder teurer, schlägt sich das unmittelbar in Einkaufspreisen und Lieferzeiten nieder. Durch den derzeitigen Ausfall von Luftfahrts-Knotenpunkten wie Dubai oder Abu Dhabi sind zeitkritische Branchen wie Elektronik, Pharmazeutika und Ersatzteilversorgung betroffen.
- Inflation: Ein anhaltender Ölpreisschock würde Europa abermals unter Inflationsdruck setzen. Analysten schätzen, dass ein länger andauernder Konflikt mit gestörtem Ölangebot die globale Inflation um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte erhöhen könnte. Die gestiegenen Treibstoffpreise werden sich zeitnah in der heimischen Inflationsrate niederschlagen.
- Investitionszurückhaltung: Geopolitische Unsicherheit wirkt bereits für sich genommen als Wachstumshemmnis. Unternehmen verschieben Investitionen, Haushalte werden vorsichtiger bei größeren Anschaffungen. In einer Phase, in der sich die Konsumstimmung gerade erst stabilisiert, kann das rasch wieder zu einer Abschwächung führen.
Unsicherheiten bremsen Kaufbereitschaft
Aber auch ohne diese Effekte war das wirtschaftliche Umfeld aus Sicht der Verbraucher schon unsicher, wie das HDE-Barometer zeigt. Der von der Bundesregierung angekündigte Aufschwung sei bislang nicht im eigenen Geldbeutel spürbar. Zudem belastet ein volatiles internationales Umfeld, unter anderem durch die Zollpolitik der USA, die Erwartungen.Für den Handel ist das ein Dämpfer: In den kommenden Wochen und Monaten rechnet der HDE nicht mit einer Stärkung des privaten Konsums oder des gesamtwirtschaftlichen Wachstums. Die Hoffnung auf eine zeitnahe Erholung erhält damit einen Rückschlag.
Das Konsumbarometer erscheint jeweils am ersten Montag eines Monats und basiert auf einer Umfrage unter 1.600 Personen. Erhoben werden unter anderem Anschaffungs- und Sparneigung sowie Einschätzungen zur finanziellen Lage. Erstellt wird der Index vom Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des HDE.
Das Barometer bildet nicht das aktuelle Kaufverhalten ab, sondern dient als Indikator für die erwartete Stimmung in den kommenden drei Monaten - und damit als wichtiger Frühindikator für Händler.
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