Verbraucher als Paketboten: Das lehrt ein DHL-Projekt

18.06.2015

 (Bild: NH-Pressebild)
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Bild: NH-Pressebild unter Creative Commons Lizenz
Medienberichten zufolge   spielt Amazon   mit dem Gedanken, künftig Privatpersonen für die Paketzustellung einzuspannen   . Der Gedanke: Amazon kooperiert mit Ladengeschäften, in denen Verbraucher künftig Pakete des ECommerce-Riesen abholen und gegen eine Gebühr bei den jeweiligen Kunden abliefern können. So sollen sich Verbraucher etwas dazu verdienen, wenn sie - etwa auf dem Weg zur Arbeit - ohnehin bei Amazon-Kunden vorbei kommen.

DHL-Projekt myWaysDHL hat bereits Hobby-Zusteller und Verbraucher vernetzt (Bild: Screenshot)

Privatpersonen als Paketboten? So ungewöhnlich dieser Gedanke im ersten Moment klingen mag, eine Innovation wäre das Amazon-Konzept beileibe nicht. So hat DHL   bereits vor zwei Jahren in Schweden ein ähnliches Zustell-Konzept in einem Pilotprojekt getestet   ("myWays   "). Bei dem Pilotprojekt konnten Verbraucher - wie es anscheinend auch Amazon plant - einzelne Pakete von Versandhändlern aus einer DHL-Station abholen und danach dem entsprechenden Kunden bringen. Der Empfänger musste dazu nach einer Bestellung festlegen, wann und zu welchem Entgelt er sein Paket erhalten will. Diese Daten hatte DHL dann in einer Smartphone-App veröffentlicht. Sobald das Paket in einer DHL-Station vorlag, konnten Verbraucher sich für den Job bewerben und weitere Details mit dem Empfänger klären (siehe Video   ).
Um einem Missbrauch vorzubeugen, haben Hobby-Zusteller die Pakete anderer Verbraucher bei den DHL-Stationen erst nach Vorlage des Personalausweises erhalten. In der myWays-App konnte der Empfänger zudem in Echtzeit verfolgen, wo sich der Zusteller gerade mit seinem Paket befand. Empfänger und Zusteller konnten sich zudem gegenseitig bewerten, um so mehr Vertrauen zu schaffen. Für eine Lieferung gab es zwischen 3,50 Euro und sechs Euro für den Hobby-Zusteller. Wenn ein Paket gar keinen Zusteller fand, übernahm DHL die Lieferung. Nach dem Start im September 2013 wurde das DHL-Pilotprojekt in Stockholm aber bereits im Dezember 2013 wieder planmäßig beendet. Auf Nachfrage von neuhandeln.de zieht DHL ein positives Fazit. Demnach wurden in den drei Monaten über "myWays" über 1.000 Zustellungen abgewickelt, wobei keine Pakete beschädigt wurden oder verloren gegangen sind. Es wurden aber nicht nur alle Pakete zugestellt, auch das Feedback der Empfänger war positiv.

Neues Zusteller-Prinzip für deutsche Kunden letztlich uninteressant

So gesehen hätte Amazon mit seinem Zustellerprinzip durchaus Perspektiven. Auf Märkte wie Deutschland lassen sich die Ergebnisse aus dem DHL-Pilotprojekt dennoch nicht übertragen. So hatte sich DHL mit seinem Pilotprojekt bewusst für einen Test in Stockholm entschieden, weil es in Schweden keine Paket-Zustellung auf der "letzten Meile" gibt. Das bedeutet: Wer im Versandhandel bestellt, bekommt seine Pakete von vornherein immer nur an eine Abholstation geliefert, wo der Kunde sie dann selbst mitnehmen muss. Mit dem innovativen Zustellerprinzip konnte DHL also Versandhandelskunden in Schweden erstmals überhaupt eine Lieferung nach Hause bieten - was in Deutschland natürlich anders ist und Kunden keinen Mehrwert bietet. Deshalb dürften deutsche Kunden verhalten reagieren, wenn plötzlich andere Verbraucher ihre Pakete zustellen sollen. Da ein Mehrwert fehlt, dürfte sich Amazon mit so einem Konzept hierzulande schwer tun - auch wenn man sich von externen Zustellern emanzipieren könnte.