Kundenbeziehung

Agentic Commerce: 91 Prozent fürchten Verlust der Kundenbeziehung

von Dominik Grollmann

26.10.2026 KI-Agenten verändern den Online-Handel grundlegend - und bei vielen Händlern wächst die Sorge, sowohl den direkten Kundenkontakt zu verlieren als auch Einbußen im Retail-Media-Geschäft zu erleiden. Eine internationale Studie zeigt, wie sich Händler wappnen können.

Geglückte Kundenbeziehung: Bleibt der Händler bald außen vor? (Bild: UserTesting)
Bild: UserTesting
Geglückte Kundenbeziehung: Bleibt der Händler bald außen vor?
91 Prozent der großen Handelsunternehmen sehen den möglichen Verlust der direkten Kundenbeziehung als Risiko von Agentic Commerce. Gleichzeitig erwarten 68 Prozent, dass KI-Agenten den Handel innerhalb der kommenden zwei Jahre erheblich beeinflussen oder grundlegend verändern werden. Das geht aus einer gemeinsamen Studie der Boston Consulting Group   und des Plattformanbieters Mirakl   hervor.

Für die Untersuchung wurden 50 der weltweit 300 größten Handelsunternehmen sowie 100 internationale Marken befragt. Mehr als ein Drittel der Händler testet bereits Anwendungen für Agentic Commerce, weitere 18 Prozent setzen entsprechende Lösungen in größerem Umfang ein. 24 Prozent befinden sich dagegen noch in der Bewertungsphase.

Nur 18 Prozent der Marktplätze sind auf KI-Agenten vorbereitet

Die Untersuchung zeigt allerdings erhebliche Defizite bei der technischen Vorbereitung. Lediglich 18 Prozent der befragten Händler halten ihre Marktplätze für ausreichend auf KI-Agenten vorbereitet. Zu den Problemen gehören veraltete Systeme, unzureichend strukturierte Produktdaten und fehlende technische Schnittstellen.

Dabei gewinnt die Qualität der Produktinformationen an Bedeutung. KI-Assistenten wie ChatGPT  , Claude   oder Gemini    berücksichtigen bei Produktempfehlungen unter anderem Preise, Verfügbarkeit, Lieferbedingungen und Retourenmöglichkeiten. 67 Prozent der Händler wollen deshalb innerhalb der kommenden zwei Jahre ihre Produktdaten verbessern. 58 Prozent planen, KI-Agenten Informationen zur Warenverfügbarkeit in Echtzeit bereitzustellen.

Beim Datenzugang verfolgen die Unternehmen unterschiedliche Strategien: 42 Prozent machen ihre Produktinformationen grundsätzlich für alle KI-Agenten auffindbar, 32 Prozent gewähren nur ausgewählten Systemen Zugang. Sechs Prozent blockieren externe KI-Agenten vollständig, während 20 Prozent noch keine Entscheidung getroffen haben.

KI verändert auch das Geschäft mit Handelswerbung

Die Veränderungen betreffen auch das Retail-Media-Geschäft. Bislang stammen bei den untersuchten Handelsunternehmen durchschnittlich 28 Prozent der Retail-Media-Umsätze von externen Marktplatzhändlern. Zugleich betrachten 95 Prozent der Händler Retail Media als wichtigen künftigen Gewinntreiber.

Mit der Verlagerung der Produktsuche auf KI-Plattformen könnten klassische Werbeformate in Online-Shops an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig erwarten 65 Prozent der befragten Marken, ihre Werbeausgaben mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Einkaufsassistenten zu erhöhen. Lediglich zwölf Prozent rechnen mit sinkenden Budgets.

Die Studienautoren empfehlen Handelsunternehmen deshalb eine Doppelstrategie: Einerseits sollen sie ihre Produkte durch strukturierte Daten und technische Schnittstellen für externe KI-Agenten auffindbar machen. Andererseits sollen eigene Einkaufsassistenten, exklusive Sortimente und Kundenbindungsprogramme dafür sorgen, dass Verbraucher weiterhin direkt bei den Händlern einkaufen.
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