Kling, klang, klack - Retoure

Otto Group testet KI-Roboter für die Retourenabwicklung

von Sebastian Halm

01.11.2026 Die Otto Group will die Prüfung und Sortierung retournierter Bestellungen stärker automatisieren. Dazu erprobt Otto eine noch weitgehend unbekannte Nischentechnologie namens KI.

KI-Robotern von Zalando zur Retourenbearbeitung (Bild: Zalando)
Bild: Zalando
KI-Robotern von Zalando zur Retourenbearbeitung
Die Otto Group    und das Robotikunternehmen Sereact   entwickeln gemeinsam KI-gesteuerte Systeme für die Retourenabwicklung. Wie die Unternehmen mitteilen, sollen zunächst zehn zweiarmige Robotersysteme in einem Logistikzentrum der Handelsgruppe in Polen eingesetzt werden. Abhängig von den Ergebnissen sind in einer zweiten Phase 15 weitere Roboterarme vorgesehen. Die Systeme sollen zurückgesandte Artikel greifen, beurteilen und zur weiteren Bearbeitung leiten. Bewährt sich die Technologie auch in der zweiten Projektphase, will die Otto Group einen breiteren Einsatz in ihrem Logistiknetzwerk prüfen. Einen Zeitplan oder konkrete Ziele für Durchsatz und Kosteneinsparungen nennt die Mitteilung nicht.

Roboter sollen auch unbekannte Artikel bearbeiten

Retouren stellen besondere Anforderungen an die Automatisierung: Produkte kommen unterschiedlich gefaltet, zerknittert oder neu verpackt zurück. Gleichzeitig verändert sich das Sortiment laufend. Die Systeme müssen deshalb mit wechselnden Artikeln und Zuständen umgehen können. Das KI-Modell Cortex von Sereact soll Erfahrungen mit bereits bearbeiteten Produkten auf bislang unbekannte Objekte übertragen. Es entscheidet nach Unternehmensangaben in Echtzeit, wie ein Artikel gegriffen, beurteilt und weitergeleitet wird. Im Projekt wollen die Partner überprüfen, ob die Systeme die erforderliche Zuverlässigkeit, Flexibilität und Qualität für eine Retourenabwicklung im großen Maßstab erreichen.

Für das Training nutzt Sereact Technologie von Nvidia  . Aus realen Greifvorgängen werden Tausende simulierte Varianten erzeugt, die unterschiedliche Verpackungen, Materialien, Artikelzustände und Lichtverhältnisse abbilden. Neue Steuerungsmodelle werden nachtrainiert und getestet, bevor sie auf die Roboter übertragen werden. Lösungen für problematische Artikel sollen dadurch innerhalb weniger Tage als geprüfte Updates verfügbar sein. Beschäftigte sollen repetitive Greif- und Hebevorgänge an die Roboter abgeben. Ihre Aufgaben verlagern sich nach Darstellung der Unternehmen auf die Überwachung der Systeme, die Bearbeitung von Ausnahmefällen und abschließende Qualitätsentscheidungen.

Die Zusammenarbeit ist Teil der angekündigten mittelfristigen Investitionen der Otto Group von 350 Millionen Euro in Technologie und künstliche Intelligenz. Welcher Anteil davon auf das Retourenprojekt entfällt, bleibt offen.
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