Unternehmen

KiK streicht hunderte Filialen in Europa

von Dominik Grollmann

25.03.2026 Der Textildiscounter KiK    reduziert sein Filialnetz deutlich: Bis Ende 2026 sollen europaweit rund 225 Geschäfte schließen, davon 135 in Deutschland. Für den Handel ist das ein weiteres Signal, dass selbst große Discounter ihre Standortnetze stärker auf Ertrag statt auf Reichweite ausrichten.

 (Bild: Kik)
Bild: Kik
Der Textildiscounter KiK    schließt bis Ende 2026 europaweit rund 225 Filialen, davon 135 Standorte in Deutschland. Wie Geschäftsführer gegenüber der dpa   erklärte, soll das Filialnetz damit auf rund 4.000 Geschäfte in Europa schrumpfen, davon rund 2.200 in Deutschland.

Hintergrund ist nach Unternehmensangaben eine zu dichte Expansion in den vergangenen Jahren. Filialen hätten teils weniger als einen Kilometer auseinandergelegen. KiK wolle sein Standortportfolio deshalb stärker auf Profitabilität ausrichten, erklärte Kümmel. Kündigungen seien dabei nicht geplant. Mitarbeitende aus betroffenen Filialen sollen demnach in anderen Geschäften weiterbeschäftigt oder anderweitig untergebracht werden.

Der Schritt offenbart veränderte Prioritäten im stationären Handel. Vielfach steht nicht mehr Wachstum um jeden Preis im Vordergrund, sondern die Frage, welche Standorte nachhaltig Erträge liefern. Weitere Bereinigungen im Filialnetz in den kommenden Jahren schloss Kümmel nicht aus.

Weniger Fläche, mehr Ertragsdruck

KiK war in den vergangenen Jahren stark gewachsen und ist heute in 14 europäischen Ländern vertreten. 2024 setzte das Unternehmen nach eigenen Angaben 2,4 Milliarden Euro um. Schon im September 2025 hatte die Kette angekündigt, unrentable Filialen schließen zu wollen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Laut Kümmel seien bereits in der Vergangenheit regelmäßig etwa 100 Filialen pro Jahr geschlossen worden, die Zahl der Neueröffnungen habe dies bislang aber übertroffen.

Am Sortiment will KiK grundsätzlich festhalten. Rund 60 Prozent des Angebots entfallen auf Textilien, der Rest auf Non-Food-Produkte wie Haushaltswaren und Deko. Das Geschäftsmodell funktioniere weiterhin, betont das Unternehmen. Gleichzeitig spüre aber auch KiK, dass KundInnen Einkäufe häufiger aufschieben oder ganz streichen.

Hinzu kommt ein wachsender Wettbewerbsdruck. Kümmel verweist auf stationäre Konkurrenten wie Woolworth  , NKD    und Action   sowie auf Onlineplattformen wie Shein   und Temu  . Für Händler zeigt sich damit, dass sich Preiswettbewerb und Wechselbereitschaft der KundInnen weiter verschärfen.

Stationärer Handel insgesamt unter Druck

Die Entwicklung bei KiK passt in einen größeren Branchentrend. Der Handelsverband Deutschland    rechnet damit, dass die Zahl der Geschäfte hierzulande in diesem Jahr auf unter 300.000 sinkt. Ende 2015 waren es noch rund 372.000 Läden. Auch die Zahl der Insolvenzen steigt: Der Kreditversicherer Allianz Trade   meldet für 2025 insgesamt 2.571 Fälle in der Branche, den höchsten Stand seit zehn Jahren.

Für den Einzelhandel bedeutet das: Filialnetze werden kritischer geprüft, Flächen effizienter genutzt und Standorte schneller aufgegeben, wenn sie nicht genug abwerfen. KiK ist damit kein Einzelfall, sondern Teil einer breiteren Marktbereinigung. ?
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