KI im Commerce

KI verändert die Unternehmensarchitekturen von Shops

von Sebastian Halm

20.02.2026 KI und Veränderungsdruck stellen Unternehmen vor Herausforderungen bei ihren Target Operating Models. Für Shops und Onlinehändler ist das von zentraler Bedeutung: Starre Modelle bremsen Wachstum.

 (Bild: Sebastian Halm/ChatGPT)
Bild: Sebastian Halm/ChatGPT
Künstliche Intelligenz und der wachsende Veränderungsdruck im Markt stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen bei der Gestaltung ihrer Target Operating Models. Das zeigt eine aktuelle Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint   . Für die Untersuchung wurden rund 400 Führungskräfte auf C-Level-Ebene in ganz Europa befragt. Die Ergebnisse sowie ergänzende qualitative Analysen machen deutlich, wie Unternehmen den Sprung von einzelnen Pilotprojekten hin zu einer gezielten, groß angelegten Transformation ihrer Organisationsmodelle schaffen können.

Gerade für Shops und Onlinehändler ist das von zentraler Bedeutung: Wer Prozesse, Datenstrukturen und Entscheidungswege nicht konsequent auf Geschwindigkeit und Skalierbarkeit ausrichtet, verliert im Wettbewerb um Kundinnen und Kunden schnell an Boden. "Organisationen können sich nicht länger auf statische Modelle verlassen, die für vorhersehbare Rahmenbedingungen geschaffen wurden", erklärt Tobias Liebscher, Partner bei BearingPoint. "Unsere Studie zeigt, dass zukunftsfähige Unternehmen grundlegend neu darüber nachdenken, wie Arbeit organisiert und umgesetzt wird. Sie gestalten ihre Organisationsmodelle so, dass Teams schneller handeln, effektiver zusammenarbeiten und Künstliche Intelligenz gezielt einsetzen können, um sowohl bessere Entscheidungen zu treffen als auch den Mehrwert für Kundinnen und Kunden zu steigern."
Für den Onlinehandel bedeutet das: Sortimentsentscheidungen, Preisstrategien, Marketingkampagnen oder Logistikprozesse müssen datenbasiert und in Echtzeit angepasst werden können. Klassische, hierarchische Entscheidungswege sind dafür häufig zu langsam.

Die Studie zeigt, dass Unternehmen angesichts zunehmend dynamischer Wettbewerbsbedingungen ihre Organisationsstrukturen, Entscheidungszyklen, Kompetenzen und Prozesse neu ausrichten. Ziel ist es, schneller zu reagieren, die Widerstandsfähigkeit zu stärken und neues Wertschöpfungspotenzial zu erschließen. Dennoch hat bislang nur ein kleiner Teil der Unternehmen seine Organisation vollständig so aufgestellt, dass sie die Nutzung von Künstlicher Intelligenz und Echtzeit-Entscheidungen wirksam unterstützt.

Zwar berichten viele Führungskräfte von Fortschritten bei Strategieentwicklung und Investitionen, doch Defizite in Governance-Strukturen, bei der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte, bei klar geregelten Verantwortlichkeiten sowie in der funktionsübergreifenden Zusammenarbeit begrenzen weiterhin die Wirkung der Transformationsinitiativen. Für Onlinehändler heißt das konkret: Technische Tools allein reichen nicht aus, wenn Zuständigkeiten unklar bleiben oder Daten nicht unternehmensweit nutzbar sind.

Die Prioritäten für Shops

Besonders deutlich wird der Einfluss technologischer Entwicklungen. 69 Prozent der Befragten nennen neue Technologien und Künstliche Intelligenz als zentralen strategischen Impuls. 49 Prozent verweisen zusätzlich auf veränderte Kundenerwartungen. Kundinnen und Kunden erwarten personalisierte Angebote, schnelle Lieferungen und konsistente Markenerlebnisse über alle Kanäle hinweg.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Compliance und Nachhaltigkeit. Diese Faktoren erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Strukturen und Arbeitsweisen rasch zu modernisieren. Für Shops bedeutet das etwa: transparente Lieferketten, nachvollziehbare Datenverarbeitung und nachhaltige Prozesse werden zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Führungskräfte erkennen zunehmend, dass echte Transformation nur mit den Mitarbeitenden gelingt. Mitarbeiterentwicklung, funktionsübergreifende Zusammenarbeit und kultureller Wandel gelten als entscheidende Erfolgsfaktoren. Gleichzeitig zählen sie zu den Bereichen mit den langsamsten Fortschritten. Viele Unternehmen sehen insbesondere den Aufbau neuer Fähigkeiten, Datenkompetenz sowie eine konsequente Prozessorientierung als kritisch an, bewerten diese jedoch als noch nicht ausreichend entwickelt. Gerade im E-Commerce, wo Datenanalyse, Performance-Marketing und Automatisierung eng verzahnt sind, kann fehlende Kompetenz schnell zu Umsatzeinbußen führen.

Trotz zahlreicher Transformationsprogramme zeigt die Studie eine deutliche Lücke in der tatsächlichen Zukunftsreife vieler Organisationen. Während sich 70 Prozent der Befragten gut auf künftige Anforderungen vorbereitet sehen, geben lediglich vier Prozent an, dass ihr Organisationsmodell vollständig auf ihre strategischen Ziele ausgerichtet ist. Zu den zentralen Hemmnissen zählen die mangelnde Verfügbarkeit von Daten- und Analysefähigkeiten, fehlende Fachkräfte, technologische Defizite sowie ein unzureichender Veränderungswille im Führungskreis.

Organisationen mit hoher Reife ihres Operating Models zeichnen sich durch drei Merkmale aus: eine klare Strategie, die sich konsequent im Organisationsmodell widerspiegelt, unternehmensweite Governance- und Steuerungssysteme, die gewünschte Verhaltensweisen verankern, sowie integrierte Daten- und Technologiearchitekturen, die Skalierbarkeit und Effizienz ermöglichen. Diese Unternehmen überzeugen durch höhere Umsetzungsgeschwindigkeit, klar definierte Entscheidungsbefugnisse und eine enge Verzahnung von Strategie und operativer Umsetzung.

Onlinehändler brauchen flexible Systemarchitekturen

"Technologie ist nur ein Teil der Transformationsgeschichte", so Tobias Liebscher. "Erfolgreiche Organisationen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Sie bringen Struktur, Prozesse, Menschen und Unternehmenskultur in Einklang, damit Künstliche Intelligenz und Daten nachhaltige Ergebnisse liefern können. Die Zukunft gehört jenen Unternehmen, die ihr Target Operating Model auf Anpassungsfähigkeit ausrichten, nicht allein auf Effizienz."
Für Shops und Onlinehändler bedeutet das: Wer heute in flexible Systemarchitekturen, klare Entscheidungsstrukturen und datengetriebene Teams investiert, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum. "Unternehmen, die jetzt handeln, schaffen die Voraussetzungen, um das Potenzial von Künstlicher Intelligenz in messbaren Geschäftsnutzen zu übersetzen, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken und unternehmensweite Skalierbarkeit zu erreichen. Wer zögert, riskiert zurückzufallen, denn Geschwindigkeit, Datenorientierung und funktionsübergreifende Zusammenarbeit werden künftig die entscheidenden Treiber der Unternehmensperformance sein", resümiert Tobias Liebscher.

Für den digitalen Handel ist die Botschaft klar: Nicht einzelne Tools entscheiden über den Erfolg, sondern ein Organisationsmodell, das konsequent auf Tempo, Daten und Kundennutzen ausgerichtet ist.
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