Büroartikel

Böttcher bläst Europa-Expansion ab - und betreibt Standort-Bashing

von Dominik Grollmann

17.09.2026 Die Böttcher AG legt ihre geplante Expansion nach Österreich und in weitere europäische Märkte auf Eis. Als Gründe nennt der B2B-Onlinehändler unter anderem neue EU-Regulierung, hohe Kosten und fehlende Planungssicherheit.

 (Bild: Pixabay/ PIRO4D)
Bild: Pixabay/ PIRO4D
Der B2B-Bürobedarf-Versender Böttcher AG    hat seine geplante Expansion in Europa gestoppt. Die Entscheidung fällt in eine Phase starken Wachstums: Seit 2020 hat Böttcher seinen Jahresumsatz von knapp 500 Millionen Euro auf rund 1,1 Milliarden Euro 2025 mehr als verdoppelt - während der gesamte Onlineumsatz mit Bürobedarf in Deutschland von 2021 bis 2025 von 1,051 Milliarden auf 919 Millionen Euro gesunken ist. Ausschlaggebend für den nun bekannt gegebenen Investitionsstop seien aber nicht zu hitziges Wachstum, sondern die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa, teilt das Unternehmen mit.

Konkret wird der bereits vorbereitete Markteintritt in Österreich nicht umgesetzt. Darüber hinaus legt das Unternehmen weitere Expansionspläne innerhalb Europas auf Eis. Das Unternehmen verzichte damit nach eigenen Angaben auf ein Umsatzpotenzial von bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr sowie auf bis zu 300 mögliche neue Arbeitsplätze. Als Gründe nennt Böttcher unter anderem hohe Unternehmenssteuern und Sozialabgaben, steigende Energie- und Arbeitskosten, fehlende Planungssicherheit sowie eine zunehmende Bürokratie.

Neue Verpackungsregeln als Auslöser

Den unmittelbaren Ausschlag für die Entscheidung habe die neue europäische Verpackungsregulierung gegeben. Diese bringe zusätzliche Registrierungs-, Melde-, Dokumentations- und Entsorgungspflichten mit sich.

Nach Darstellung des Unternehmens seien Kundenbasis, Kapital, Technologie und Logistik für weiteres Wachstum vorhanden. Die Expansion scheitere nicht an der Nachfrage, sondern an den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Das unternehmerische Risiko steige durch zusätzliche Pflichten und Haftungsrisiken, während Planungssicherheit und Renditechancen abnähmen.

Bereits im Frühjahr hat Böttcher eine ähnliche Mitteilung veröffentlicht in der es hießt, wegen hoher Energiepreise, steuerlicher Belastungen, Bürokratie sowie fehlender Planungssicherheit am Standort Deutschland würden "Millioneninvestitionen" zurückgehalten. Zugleich klagte das Unternehmen, dass Betrugsfälle durch Identitätsdiebstahl, Dreiecksbetrug, Bestellungen unter falschem Namen sowie Paketdiebstahl hohe Schäden verursachten.

Die Böttcher AG mit Sitz in Zöllnitz bei Jena beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 700 Mitarbeitende und betreut über zehn Millionen Kunden. Das Unternehmen bietet über seinen Onlineshop www.bueromarkt-ag.de    mehr als 250.000 Artikel aus dem Bürobedarf für Geschäftskunden an. Der deutsche Markt für Papier-, Büro- und Schreibwaren ist nach dem Hoch der Jahre 2022 und 2023 zuletzt zwei Jahre in Folge geschrumpft und lag 2025 bei 12,4 Milliarden Euro.
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