Onlinehandel treibt EU-Zollkontrollen in Überlastung
22.07.2026 Der rapide Anstieg grenzüberschreitender E-Commerce-Sendungen bringt die Zollkontrollen an den EU-Außengrenzen an ihre Grenzen. Ein Bericht der EU-Kommission zeigt sinkende Kontrollquoten, große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten und hohe Verstoßraten bei online bestellten Produkten.
Insgesamt wurden 2025 rund sechs Milliarden Artikel zum freien Verkehr in der Europäischen Union zugelassen. Das waren dreimal so viele wie 2022. Mehr als 97 Prozent aller eingehenden Sendungen entfielen inzwischen auf E-Commerce-Pakete.
Mehr als 60 Prozent der geprüften Produkte fielen durch
Eine 2025 gestartete groß angelegte Zolluntersuchung verdeutlicht die Risiken. Mehr als 60 Prozent der kontrollierten Spielwaren, kleinen Elektrogeräte, Kosmetikprodukte, persönlichen Schutzausrüstungen und Nahrungsergänzungsmittel aus dem Onlinehandel erfüllten die europäischen Vorgaben zur Produktsicherheit und Produktkonformität nicht.Die Kommission warnt, dass das Sendungsvolumen mit klassischen Kontrollmethoden nicht mehr zu bewältigen sei. Zoll- und Marktüberwachungsbehörden könnten nur einen sehr kleinen Teil der eingehenden Waren prüfen.
Die Kontrollen sollen verhindern, dass unsichere, verbotene oder falsch gekennzeichnete Produkte in den europäischen Binnenmarkt gelangen. Für HändlerInnen, die europäische Vorgaben erfüllen, erhöhen nicht konforme Importe zugleich den Wettbewerbsdruck.
Kontrollleistung unterscheidet sich erheblich
Zwischen den EU-Mitgliedstaaten bestehen laut Bericht große Unterschiede. Das Land mit der höchsten Entdeckungsquote identifizierte 384-mal mehr problematische Produkte als der Mitgliedstaat mit dem schwächsten Ergebnis.Die Kommission hat deshalb Überwachungsmaßnahmen und strukturierte Gespräche mit einzelnen Ländern eingeleitet. Nationale Aktionspläne sollen die Kontrollen vereinheitlichen und bestehende Defizite abbauen. Bei zuvor schwächeren Mitgliedstaaten seien bereits Verbesserungen erkennbar.
Parallel aktualisierte die Kommission ihre EU-Liste der Verbote und Beschränkungen . Sie bündelt Vorschriften für Waren, deren Ein- oder Ausfuhr verboten oder nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist, und soll Unternehmen sowie Zollbehörden mehr Orientierung geben.
EU-Zollbehörde und zentraler Datenpool geplant
Mit der 2026 in Kraft tretenden EU-Zollreform will die Europäische Union ihre Kontrollen stärker koordinieren. Eine neue EU-Zollbehörde in Lille soll das Risikomanagement zwischen den Mitgliedstaaten abstimmen.Ein zentraler EU-Zolldatenpool soll die bisher getrennten nationalen Systeme schrittweise ersetzen. Gemeinsame Daten und eine koordinierte Aufsicht sollen auffällige HändlerInnen und Sendungen gezielter identifizieren.
Auch das geplante European Product Act Package und der digitale Produktpass sollen den Informationsaustausch verbessern. Die Kommission will dadurch insbesondere die Durchsetzung von Produktvorgaben im grenzüberschreitenden Onlinehandel stärken.
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