Einzelhandel

Zahl der Insolvenzen weiter hoch - wenig Besserung in Sicht

von Dominik Grollmann

05.12.2025 Im deutschen Einzelhandel häufen sich die Insolvenzen und liegen nur knapp unter dem Höchststand der vergangenen neun Jahre. Gleichzeitig wächst der Druck, in digitale Prozesse und KI-Technologien zu investieren.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Die Insolvenzen im deutschen Einzelhandel steigen weiter an und schrammten zuletzt nur knapp am 9-Jahres-Hoch vorbei: In den zwölf Monaten zwischen August 2024 und August 2025 verzeichnete der deutsche Einzelhandel 2.490 Insolvenzen und blieb so nur knapp unter dem Negativrekord von 2.520 Insolvenzen zwischen Oktober 2015 und Oktober 2016. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Allianz Trade   veröffentlicht hat. Mit den leicht verbesserten wirtschaftlichen Aussichten scheint sich das Tempo des Insolvenzanstiegs jedoch allmählich etwas zu verlangsamen. So legten im August die Insolvenzen um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, ein Jahr zuvor waren es noch 20 Prozent.

Der Einzelhandel gehört in ganz Europa zu den Branchen, die am stärksten von hohen Insolvenzen betroffen sind. Zuletzt verzeichneten Frankreich (-2 Prozent), die Niederlande (-23 Prozent) und Großbritannien (-10 Prozent) sowie Norwegen und Dänemark einen teilweise deutlichen Rückgang bei den Insolvenzen im Einzelhandel. Auch in Italien und Belgien sind Insolvenzen in den letzten Monaten im Jahresvergleich gesunken, mittelfristig dürfte jedoch ein weiterer Anstieg der Fallzahlen folgen.

"Massive Investitionen erforderlich"

"Der Einzelhandel kämpft noch immer mit den tiefgreifenden Veränderungen seines Geschäftsmodells, die während der Pandemie begonnen haben", erklärt Guillaume Dejean , zusändiger Branchenanalyst bei Allianz Trade  . "Um dem verstärkten Wettbewerb durch große Online-Marktplätze standzuhalten, müssen Einzelhändler massiv in digitale Kanäle, datengestütztes Merchandising und innovative Technologien für den Ladenbau investieren."

Beispiele dafür seien autonome Kommissioniersysteme in Lagern, KI-gestützte Produktempfehlungsmaschinen, robotergesteuerte Regalscanner ein, selbstnavigierende Serviceroboter im Verkaufsraum oder dynamische Preisgestaltungsinstrumente ein, die sofort auf Trends reagieren können.

Solche Innovationen verbessern zwar einerseists das Einkaufserlebnis und die Rentabilität, erfordern jedoch hohe Vorabinvestitionen, die kleinere Akteure teilweise kaum stemmen können. "Insofern dürfte sich der Trend von steigenden Insolvenzen hierzulande weiterhin fortsetzen, und eine weitere Konsolidierung der Branche ist wahrscheinlich", so der Experte

Leichter Rückendwind durch wirtschaftliche Aussichten

Aber es gibt auch einige positive Signale: Der stärkere Euro und die leicht verbesserten wirtschaftlichen Aussichten verschaffen der Branche etwas Rückenwind. Verbesserte Kreditbedingungen und steigende Reallöhne könnten außerdem dazu beitragen, das noch fragile Verbrauchervertrauen in Deutschland mittelfristig zu stärken.

Die geplante Verschärfung der Steuerregelungen für geringwertige Sendungen aus dem Ausland (De-minimis-Ausnahme) dürfte den scharfen Wettbewerb durch chinesische Marktplätze außerdem mindern und den derzeitigen Margendruck verringern.
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