Krisen und Krieg: Händler und Shops entdecken die Kreislaufwirtschaft als Antibiotikum
05.06.2026 Geopolitische Risiken belasten die Liefer- und Wertschöpfungsketten deutscher Händler zunehmend. Die Auseinandersetzung und das Interesse an Kreislaufwirtschaft steigen.
Kreislaufwirtschaft als strategischer Hebel
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Kreislaufwirtschaft für viele Unternehmen an strategischer Bedeutung. Knapp 50 Prozent der Befragten sehen darin eine zentrale oder ergänzende Möglichkeit, die Widerstandsfähigkeit ihrer Wertschöpfungsketten gegenüber geopolitischen Risiken zu stärken. Weitere 18 Prozent betrachten sie als langfristige Option. Nur eine Minderheit misst dem Thema derzeit keine relevante Rolle bei."Die Ergebnisse sind eindeutig: Kreislaufwirtschaft hat sich vom klassischen Nachhaltigkeitsthema zu einem strategischen Instrument für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit entwickelt", sagt Dr. Nicole Röttmer, Partnerin und verantwortlich für das Serviceangebot Sustainability bei Deloitte. "Unternehmen, die heute gezielt in zirkuläre Wertschöpfungsmodelle investieren, können Abhängigkeiten reduzieren, Risiken besser steuern und ihre Marktposition langfristig stärken."
Die größten Potenziale sehen die Unternehmen in Rücknahme- und Recyclingmodellen, einer stärker regional ausgerichteten Wertschöpfung sowie im verstärkten Einsatz von Sekundärrohstoffen. Darüber hinaus werden neue Geschäftsmodelle, mehr Transparenz entlang der Materialflüsse und ein angepasstes Produktdesign als wichtige Ansatzpunkte genannt. Als zentrale Erfolgsfaktoren gelten wirtschaftlich tragfähige Lösungen, eine steigende Nachfrage auf Markt- und Kundenseite sowie technologische Innovationen.
Ach, diese entsetzliche Lücke zwischen Potenzial und Umsetzung
Trotz der positiven Bewertung besteht bei der praktischen Umsetzung noch erheblicher Nachholbedarf. Nur rund zehn Prozent der Unternehmen haben bereits umfassende Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft eingeführt. Weitere 17 Prozent setzen einzelne Maßnahmen um. Zwölf Prozent befinden sich noch in der Analyse- oder Prüfphase, während knapp ein Drittel bislang keine konkreten Schritte geplant hat. Entsprechend wird das Thema in vielen Unternehmen derzeit nur mit mittlerer Priorität behandelt."Gerade in Industrie, Produktion und Logistik zeigt sich, wie verwundbar global verzahnte Lieferketten sind", ergänzt Cathleen Gutglück, Director im Bereich Sustainability bei Deloitte. "Kreislaufwirtschaft bietet hier ganz konkrete operative Hebel, etwa durch regionale Materialkreisläufe, resilientere Beschaffungsmodelle und ein Produktdesign, das Wiederverwendung und Recycling von Anfang an mitdenkt."
Auch die Rolle des Staates wird von vielen Unternehmen kritisch bewertet. Den größten Handlungsbedarf sehen die Befragten beim Ausbau von Infrastruktur und Systemen, bei klaren regulatorischen Rahmenbedingungen, der Förderung von Forschung und Innovation sowie bei finanziellen Anreizen für Unternehmen.
Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut Civey zwischen dem 24. April und dem 4. Mai 2026 insgesamt 1.000 privatwirtschaftliche Entscheider mit Produktverantwortung in Deutschland.
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