Onlienhandel

Recommerce gewinnt an wirtschaftlicher Relevanz

von Sebastian Halm

05.01.2026 Recommerce entwickelt sich rasant vom Nischenthema zum wirtschaftlich relevanten Bestandteil des europäischen Onlinehandels.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Netzwerk und Plattform Cross-Border Commerce Europe   hat die fünfte Ausgabe des Berichts "Top 100 Cross-Border Sustainable Marketplaces Europe" veröffentlicht. Die Untersuchung analysiert die Entwicklung nachhaltiger Marktplätze in Europa und zeigt, dass Recommerce sich von einem Nischensegment zu einem strukturell relevanten Bestandteil des europäischen Onlinehandels entwickelt hat. Marktplätze übernehmen dabei eine zentrale Rolle für Wachstum, Skalierung und Internationalisierung.

Marktplätze treiben das Wachstum im Recommerce

Zwischen 2024 und 2025 stieg das Bruttohandelsvolumen des europäischen Onlinehandels um 18 Prozent auf 121 Milliarden Euro. Innerhalb dieses Volumens entfallen inzwischen 74 Prozent auf Marktplätze, was einem Recommerce-Bruttohandelsvolumen von rund 90 Milliarden Euro entspricht. Damit ist der Stellenwert von Marktplätzen im Recommerce höher als im gesamten grenzüberschreitenden Onlinehandel, in dem sie rund 70 Prozent des Bruttohandelsvolumens ausmachen.

Für die kommenden Jahre erwarten die Autoren ein anhaltend starkes Wachstum. Bis 2026 soll Recommerce rund 14 Prozent des gesamten europäischen Onlinehandelsvolumens erreichen. Marktplätze fungieren dabei als wesentliche Infrastruktur für nachhaltigen Handel, insbesondere im grenzüberschreitenden Geschäft.

Technologie als Enabler nachhaltiger Geschäftsmodelle

Führende Plattformen wie Back Market  , Etsy  , Refurbed   und OLX   investieren gezielt in technologische Innovationen, um Wiederverkaufsprozesse zu optimieren und die Nutzererfahrung zu verbessern. Zum Einsatz kommen unter anderem:
  • Personalisierung auf Basis Künstlicher Intelligenz
  • Erweiterte Realität zur besseren Produktdarstellung
  • Intelligente Logistiklösungen zur Effizienzsteigerung
Ergänzend gewinnen Abonnementmodelle sowie kuratierte Secondhand-Angebote an Bedeutung. Sie adressieren eine wachsende Nachfrage nach Transparenz, Qualität und nachhaltigen Konsumentscheidungen.

Besonders stark ist die Dynamik in den Segmenten Mode und Beauty. Der Recommerce-Anteil in diesen Branchen soll 2026 zwischen 7,4 und 7,8 Prozent liegen, nach 6,9 Prozent im Jahr 2025. Parallel verzeichnet der europäische Recommerce-Markt weiterhin zweistellige Wachstumsraten und entwickelt sich zunehmend zum Mainstream-Angebot. Diese Entwicklung spiegelt eine veränderte Konsumhaltung wider, in der Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und digitale Transparenz an Bedeutung gewinnen.

Digitale Produktpässe erhöhen Transparenz und Vertrauen

Ein zentraler Innovationstreiber ist die Einführung digitaler Produktpässe. Diese eindeutigen Identifikationen liefern strukturierte Informationen zu Materialien, Herstellungsprozessen und Nachhaltigkeitsmerkmalen. Technologisch basieren sie unter anderem auf Quick-Response-Codes, Nahfeldkommunikation und Blockchain-gestützter Rückverfolgbarkeit. Neben dem Schutz vor Produktfälschungen ermöglichen sie fundiertere Kaufentscheidungen und unterstützen den Aufbau eines zirkulären und nachhaltigen Handelsökosystems.

Die Studie wurde von Cross-Border Commerce Europe durchgeführt und von FedEx Express    sowie Poste Italiane   unterstützt. Grundlage sind Marktanalysen und Branchenkennzahlen zum europäischen grenzüberschreitenden Onlinehandel mit Fokus auf nachhaltige Marktplatzmodelle.
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