Regulierung wirkt: Temu in Deutschland 59 Prozent teurer als in der Schweiz
26.10.2026 Die chinesische Shopping-Plattform Temu verlangt in Deutschland für identische Produkte deutlich höhere Preise als in der Schweiz. Ein aktueller Warenkorbvergleich zeigt, wie stark neue Einfuhrabgaben und unterschiedliche Preisstrategien den grenzüberschreitenden Online-Handel beeinflussen.
In beiden Ländern enthalten die Endpreise sämtliche Steuern und Abgaben. Versandkosten fallen nicht an. Die Differenz beträgt damit knapp 47 Euro. Einen Teil des Preisunterschieds führt Carpathia auf die seit Juli 2026 geltenden europäischen Einfuhrabgaben für Kleinsendungen aus Drittstaaten zurück.
Einfuhrabgaben erklären nur einen Teil der Preisunterschiede
Im deutschen Warenkorb weist Temu Einfuhrabgaben von 21,42 Euro aus, übernimmt davon allerdings selbst 6,42 Euro. Für Käufer verbleiben zusätzliche Kosten von 15 Euro. Selbst wenn diese vollständig herausgerechnet werden, liegt der deutsche Warenkorb allerdings mit 111,94 Euro noch deutlich über dem Schweizer Preisniveau.Auch die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze von 19 Prozent in Deutschland und 8,1 Prozent in der Schweiz erklären die Differenz nicht vollständig. Carpathia vermutet deshalb, dass Temu in der Schweiz möglicherweise gezielt niedrigere Aktionspreise einsetzt, um dort stärker zu wachsen. Denkbar sei außerdem, dass zusätzliche europäische Bearbeitungsgebühren bereits in deutsche Artikelpreise eingerechnet wurden. Belege für diese Vermutungen liefert der Vergleich allerdings nicht.
Chinesische Plattformen verlieren in Deutschland Marktanteile
Der Preisvergleich fällt in eine Phase rückläufiger Umsätze chinesischer Shopping-Plattformen in Deutschland. Nach den von Carpathia angeführten Marktdaten sank der gemeinsame Umsatz von Temu, Shein und AliExpress im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro. Ihr gemeinsamer Marktanteil verringerte sich von 5,3 auf 3,1 Prozent.Als mögliche Ursache gelten die höheren Einfuhrkosten, die seit Juli 2026 für Kleinsendungen aus Drittstaaten anfallen. Ob diese tatsächlich ausschlaggebend für den Umsatzrückgang waren, lässt sich aus dem Warenkorbvergleich jedoch nicht ableiten.
Gleichzeitig beobachtet Carpathia eine Veränderung des Angebots: Im deutschen Temu-Shop werden zunehmend Produkte aus lokalen Warenlagern angeboten oder über eine Gesellschaft mit Sitz in Irland verkauft. Bei bereits in die Europäische Union eingeführten und zollrechtlich abgefertigten Waren entfällt die entsprechende Abgabe auf die einzelne Kundensendung.
Damit verändern die neuen Handelsregeln nicht nur die Endpreise, sondern möglicherweise auch die Lieferstrukturen internationaler Plattformen. Während die höheren Einfuhrkosten den bisherigen Preisvorteil chinesischer Anbieter in Deutschland schmälern, bleibt die Schweiz vorerst ein Markt mit deutlich niedrigeren Temu-Preisen.
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