Nix barrierefrei: Online-Shops ignorieren BFSG immer noch
20.11.2025 In Westeuropa sind 94 Prozent aller Online-Shops nicht barrierefrei im Sinne des Gesetzes. Deutschland steht zwar noch am besten da, performt dennoch unterdurchschnittlich nach WCAG-Standards.
Nach einer aktuellen Studie der französischen Inklusionsinitiative Contentsquare Foundation stößt 94 Prozent des ECommerce-Traffics in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien auf erhebliche Hürden. Unterstützt von Temesis , Numerik-ea , Ipedis und Razorfish , kamen die Marktforschungsteams zu dem Schluss, dass 100 Millionen Menschen in Westeuropa daran gehindert werden, in Online-Shops zu navigieren oder Zahlungen abzuschließen, wenn sie assistive Technologien verwenden. Die Untersuchung betrifft jeweils 250 Seiten der 50 meistbesuchten ECommerce-Websites in besagten Ländern sowie die fünf Global Player Amazon , eBay , AliExpress , Temu und Etsy .
Marion Ranvier , Direktorin der Contentsquare Foundation, erklärt: "Wenn Nutzer einen Kauf nicht abschließen können, können Unternehmen keinen Umsatz erzielen. Hinter der digitalen Barrierefreiheit steht nicht nur die menschliche Notwendigkeit der Inklusion, sondern auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Digitale Ausgrenzung ist kein marginales Problem, sondern ein großes Hindernis für Wachstum und Vertrauen."
94 Prozent der geprüften Websites erzielten bei den Barrierefreiheitskriterien weniger als 7,5/10 Punkte. Kein europäisches Land erreichte eine Konformität von mehr als 50 Prozent mit den WCAG 2.2-Standards . Deutschland (4,7/10) und Großbritannien (4,6/10) liegen an der Spitze, während Frankreich (3,6/10) und Italien (3/10) hinterherhinken.
Produktdetailseiten schneiden am schlechtesten ab
Produktlistenseiten (PLP) und Produktdetailseiten (PDP) sind mit durchschnittlichen Bewertungen von 3,6/10 bzw. 3,4/10 am exklusivsten - in Frankreich sogar nur 2,4/10. Diese Seiten, die oft der Einstiegspunkt für einen Kauf sind, sind für viele sehbehinderte Nutzer unlesbar oder für Screenreader verwirrend, sodass Verbraucher nicht einmal bis zur Kasse gelangen.Die Seiten für Warenkorb, Lieferung und Zahlung schneiden etwas besser ab (4,3/10, 4,4/10 und 5,1/10), sind aber noch weit von der vollständigen Einhaltung der WCAG 2.2 entfernt. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Unzugänglichkeit struktureller und nicht lokaler Natur ist: In allen Ländern und bei allen Marken treten immer wieder die gleichen Probleme auf - unlesbare Schaltflächen, schlechte Kontraste und unbrauchbare Formulare.
Ein ermutigendes Zeichen: Einige große globale Marktplätze, oft mit Sitz in den USA, erreichen Werte nahe 9/10, was beweist, dass Barrierefreiheit in großem Maßstab nicht nur möglich, sondern auch profitabel ist, wenn sie von Anfang an in das Design integriert wird.
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