Branchenumsatz

Onlinehandel trotzt Wirtschaftsflaute: E-Commerce wächst wieder durchgängig

von Dominik Grollmann

22.01.2026 Der deutsche E-Commerce meldet sich mit solidem Wachstum zurück und setzt sich klar vom stationären Handel ab. Trotz schwacher Konsumstimmung steigen Umsätze, Bestellwerte und Kundenzufriedenheit. Besonders Marktplätze, Alltagswaren und Re-Commerce treiben die Entwicklung.

 (Bild: Gerd Altmann auf Pixabay)
Bild: Gerd Altmann auf Pixabay
Der Brutto-Umsatz im deutschen E-Commerce mit Waren ist im vergangenen Jahr erstmals seit 2021 wieder in allen Quartalen gestiegen und erreichte 83,1 Milliarden Euro, teilt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh   ) mit. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 3,2 Prozent und liegt damit deutlich über der ursprünglichen Prognose. Einschließlich digitaler Dienstleistungen nähert sich der Gesamtumsatz der Branche mit 98,6 Milliarden Euro erneut der Marke von 100 Milliarden Euro.

Auch für das laufende Jahr rechnen der bevh und das EHI Retail Institute   mit weiterem Wachstum. In ihrer gemeinsamen Prognose gehen sie von einem nominalen Umsatzplus von 3,8 Prozent im E-Commerce mit Waren aus. Damit dürfte sich der Onlinehandel erneut besser entwickeln als der klassische Einzelhandel.

Nach Einschätzung von bevh-Präsident Gero Furchheim bleibt der Onlinehandel ein Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten. "Der Onlinehandel ist ein seltener Lichtblick in der deutschen Wirtschaft. Die Menschen konsumieren auch in unsicheren Zeiten weiter, sie tun es aber digital", so Furchheim. Geopolitische Krisen und wirtschaftliche Unsicherheiten begrenzten zwar das Wachstum, insgesamt entwickle sich der E-Commerce jedoch klar besser als der stationäre Handel.

Alltagswaren und Marktplätze als Wachstumstreiber

Diese Einschätzung spiegelt sich auch im Kaufverhalten wider. Der Anteil der VielkäuferInnen blieb stabil: Rund ein Drittel der KundInnen bestellt mindestens zweimal pro Woche online. Der durchschnittliche Bestellwert stieg leicht auf 146,19 Euro, während die Kundenzufriedenheit mit 96,2 Prozent weiterhin auf hohem Niveau liegt. Gleichzeitig ist der Anteil der VerbraucherInnen, die ihre Onlineausgaben reduzieren wollen, so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr.

Besonders stark wuchsen im Onlinehandel die Kategorien Medikamente, Lebensmittel und Tierbedarf. Auch zentrale Sortimente wie Mode, Haushaltswaren sowie Möbel und Einrichtung entwickelten sich deutlich besser als im Vorjahr. Lediglich Elektronik und Telekommunikation blieben mit einem Plus von 1,4 Prozent unter dem Marktdurchschnitt, nachdem sie im Vorjahr noch rückläufig waren.

Auf der Vertriebsseite legten Online-Marktplätze am stärksten zu. Sie vereinen inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Onlinehandelsumsatzes auf sich. Plattformen chinesischer Herkunft wie Shein  , Temu   und AliExpress   wuchsen zwar von einem niedrigen Umsatzniveau aus, trugen aber rund 30 Prozent zum gesamten Marktwachstum bei. Jede fünfzehnte Onlinebestellung entfällt inzwischen auf eine dieser Plattformen.

Re-Commerce und KI als strategische Zukunftsthemen

Ein weiterer Wachstumstreiber ist der Handel mit gebrauchten Waren. Die Umsätze im Re-Commerce stiegen um mehr als 21 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Nach Einschätzung von Alien Mulyk , Geschäftsführerin Public Affairs Europa und Internationales beim bevh, hängt die weitere Entwicklung jedoch stark von passenden regulatorischen Rahmenbedingungen ab. "Voraussetzung ist, dass der Gesetzgeber auf die Besonderheiten des Handels mit solchen Gütern Rücksicht nimmt", so Mulyk.

Mit Blick auf neue KI-basierte Shoppinglösungen zeigt sich der Verband grundsätzlich offen, sieht aber noch erheblichen Handlungsbedarf. Zwar gelten KI-Shopping-Erlebnisse als nächste technologische Entwicklungsstufe, doch nutzen bislang nur wenige KundInnen entsprechende Angebote. Gleichzeitig warnt der bevh vor einer zu starken Marktmacht einzelner Plattformen und fordert Transparenz sowie faire Wettbewerbsbedingungen für HändlerInnen.
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