E-Commerce

Weihnachtsgeschenke: Jeder Fünfte kauft bei chinesischen Onlinehändlern

von Sebastian Halm

09.12.2025 Chinesische Online-Anbieter haben sich binnen kurzer Zeit stark im deutschen E-Commerce verankert - welche Zielgruppen das Wachstum treiben, zeigt eine Studie.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Chinesische Online-Shops wie Temu  , Shein   und AliExpress   nehmen im Weihnachtsgeschäft 2025 einen spürbaren Platz ein. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Befragung unter mehr als zwei tausend Personen in Deutschland: Einundzwanzig Prozent der Deutschen haben bereits für Weihnachten 2025 in chinesischen Online-Shops eingekauft (zwölf Prozent) oder planen dies zu tun (neun Prozent). Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten in den jüngeren Generationen: Achtundzwanzig Prozent der Generation Z und neunundzwanzig Prozent der Millennials nutzen Temu und andere Plattformen für Weihnachtsgeschenke oder Weihnachtsdekoration. Aber auch die ältere Generation bleibt relevant: Dreizehn Prozent der Babyboomer greifen ebenfalls auf chinesische Anbieter zurück.

Unter denjenigen, die dort einkaufen, dominieren vor allem Modeartikel und saisonale Produkte. Vierundvierzig Prozent geben an, Kleidung, Schuhe oder Accessoires für Weihnachten zu kaufen, siebenunddreißig Prozent entscheiden sich für Weihnachtsdekoration wie Lichterketten oder Christbaumschmuck. Haushaltswaren, Spielzeug und elektronische Kleingeräte folgen mit jeweils rund einem Fünftel der Nennungen. Insgesamt bleibt das Preisniveau niedrig: Die Hälfte der Käuferinnen und Käufer (einundfünfzig Prozent) gibt an, unter einhundert Euro für Weihnachtskäufe in chinesischen Shops auszugeben, während lediglich fünf Prozent mehr als dreihundert Euro investieren.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Mehrheit der Bevölkerung weiterhin Abstand nimmt: Dreiundsiebzig Prozent der Befragten kaufen zu Weihnachten nicht bei chinesischen Online-Shops. Als wichtigste Gründe nennen sie Bedenken hinsichtlich der Produktqualität (fünfundvierzig Prozent), mögliche Gesundheitsrisiken wie Schadstoffe (einundvierzig Prozent) sowie fehlende europäische Sicherheitsstandards (zweiunddreißig Prozent). Auch ethische Aspekte wie Arbeitsbedingungen oder Umweltfragen spielen für mehr als ein Viertel der Befragten eine Rolle (siebenundzwanzig Prozent). Darüber hinaus geben dreiundzwanzig Prozent an, lieber lokale Händler unterstützen zu wollen.

Unsere Daten zeigen, dass die Nutzung chinesischer Online-Shops für viele Verbraucher längst Teil des regulären Einkaufsverhaltens geworden ist - auch im Weihnachtsgeschäft. Gleichzeitig bleibt der Markt aber polarisiert. Preisorientierte Einkäufer greifen zu, während andere aufgrund von Qualitäts- und Sicherheitsbedenken bewusst Abstand nehmen, kommentiert Christian Koch, Senior Consultant Nonfood bei YouGov  .

Chinesische Anbieter wachsen dynamisch

Die aktuellen Ergebnisse der Befragung fügen sich in ein Marktbild ein, das das YouGov Shopper Panel seit längerer Zeit beobachtet. Während der stationäre Nonfood-Handel im ersten Halbjahr 2025 ein Minus von vier Prozent verzeichnet, wächst der Online-Bereich um fünf Prozent. Dieses Wachstum basiert vor allem auf einer höheren Einkaufsfrequenz, während die Ausgaben pro Kauf tendenziell sinken. Besonders dynamisch entwickeln sich dabei die chinesischen Anbieter: Der Anteil der Einkäufer, die zusätzlich zu etablierten Plattformen wie Amazon   , Otto    oder eBay    auch bei chinesischen Shops einkaufen, ist im Jahresverlauf von zehn auf siebzehn Prozent angestiegen.

Entgegen verbreiteter Annahmen sind chinesische Online-Shops dabei bei Weitem nicht nur ein Thema junger Zielgruppen. Das YouGov Shopper Panel zeigt, dass auch die Generation der Babyboomer eine wichtige Kundengruppe ist: Sie stellt nahezu dreißig Prozent der Temu-Kundschaft - ein deutlicher Hinweis darauf, dass chinesische Plattformen längst in der Breite der Bevölkerung angekommen sind. Für viele Käuferinnen und Käufer spielen dabei nicht nur die niedrigen Preise eine Rolle. Einundsiebzig Prozent der Nutzer schätzen die besonders große Auswahl, vierundfünfzig Prozent die häufigen Sonderangebote und Rabatte, und vierundvierzig Prozent geben an, dass ihnen das Stöbern und der Inspirationsfaktor beim Shoppen in chinesischen Online-Shops Freude bereitet.

Die Daten aus unserem Shopper-Panel zeigen, dass chinesische Anbieter ihre Stärke nicht allein aus niedrigen Preisen beziehen, sondern auch aus Mechaniken wie Auswahlbreite, Rabattfrequenz, innovativen Produkten und einem inspirierenden, schnellen Shopping-Erlebnis. Für Händler und Marken bedeutet dies, dass der Wettbewerb im Nonfood-Markt zunehmend hybrid wird. Während chinesische Anbieter vor allem durch Preis und Auswahl punkten, bleibt es für etablierte Händler und Marken essenziell, auf Transparenz, nachvollziehbare Qualitätsversprechen und nachhaltige Sortimente zu setzen - Faktoren, die für Konsumentinnen und Konsumenten zentral sind, wenn es darum geht, langfristiges Vertrauen aufzubauen, ergänzt Koch.

Die Ergebnisse dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Befragt wurden vom fünfundzwanzigsten bis siebenundzwanzigsten November 2025 insgesamt 2 079 Personen.
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