Einzelhandel bleibt pessimistisch - immerhin Preisdruck lässt nach
03.08.2026 Die Stimmung im deutschen Handel und Commerce hat sich im Juli zum dritten Mal in Folge leicht verbessert, bleibt aber deutlich im negativen Bereich. Gleichzeitig planen weniger Handelsunternehmen Preiserhöhungen.
Das Geschäftsklima im Einzelhandel ist im Juli von minus 32,4 auf minus 28,7 Punkte gestiegen, teilt das ifo Institut mit. Die (Online-)HändlerInnen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die kommenden Monate etwas weniger pessimistisch als im Juni. "Das Geschäftsklima bei den Einzelhändlern hat sich zwar zum dritten Mal in Folge verbessert", sagt Patrick Höppner . "Die Stimmung bei den Unternehmen bleibt aber schlechter als vor der Eskalation des Konflikts im Iran Ende Februar."
Im April und Mai war der Geschäftsklimaindikator auf die niedrigsten Werte seit 2023 gefallen. Viele Händler und Shops beurteilen ihre Geschäftsaussichten für den weiteren Jahresverlauf weiterhin zurückhaltend. 54 Prozent der EinzelhändlerInnen stuften die Nachfrage im Juli als unzureichend ein. Im zweiten Quartal verzeichneten 48,2 Prozent der stationären Handelsunternehmen weniger KundInnen als saisonüblich.
Online-Händler waren jedoch deutlich seltener von einer schwachen Nachfrage betroffen. Rund 25,6 Prozent der Online-Shops registrierten weniger Klicks als zu dieser Jahreszeit üblich. Obwohl sich viele Waren im Einzelhandel während der ersten Jahreshälfte nur wenig verteuerten, rechnen die HändlerInnen für die kommenden Monate weiterhin häufiger mit steigenden als mit sinkenden Preisen. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke waren im Juni nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt sogar günstiger als vor der Eskalation des Iran-Konflikts im Februar.
Handel reduziert Pläne für Preiserhöhungen
In der Gesamtwirtschaft ist der Anteil der Unternehmen mit Preiserhöhungsplänen im Juli gesunken. Die Preiserwartungen des ifo Instituts gingen von saisonbereinigt 26,1 Punkten im Juni auf 21,6 Punkte zurück.Bei Handelsunternehmen fiel der Indikator besonders deutlich von 42,2 auf 31,4 Punkte. Auch energieintensive Unternehmen reduzierten ihre Preiserwartungen von 29,6 auf 21,2 Punkte. Bei nicht energieintensiven Firmen sank der Wert von 26,8 auf 22,9 Punkte. Im Verarbeitenden Gewerbe ging der Indikator von 28,1 auf 23 Punkte zurück, bei Dienstleistungsunternehmen von 21,4 auf 19,1 Punkte. Die Ergebnisse unterscheiden sich allerdings deutlich danach, wann die Unternehmen an der Umfrage teilnahmen. Rund 60 Prozent der Befragten hatten ihre Erwartungen zwischen dem 7. und 10. Juli abgegeben. Nach dem erneuten Aufflammen des Konflikts am Persischen Golf am 10. Juli fielen die Preiserwartungen deutlich höher aus.
Dienstleistungs- und Bauunternehmen, die nach diesem Datum antworteten, planten im Vergleich zum Juni sogar häufiger Preiserhöhungen. In Industrie und Handel lagen die Preispläne dagegen etwas unter dem Vormonatswert. "Die künftige Preisentwicklung wird stark vom weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten und den davon abhängigen Energiepreisen beeinflusst", sagt Tiphaine Wibault . Trotz des Rückgangs der Preiserwartungen bleibt damit ein erheblicher Aufwärtsdruck bestehen. Länger anhaltende geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise könnten die Kalkulation der HändlerInnen erneut belasten und den privaten Konsum zusätzlich dämpfen.
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