Stationärer Handel

Filialnetze unter Druck: Insolvenzen dünnen den deutschen Einzelhandel aus

von Christian Gehl

28.07.2026 Internationale Marken drängen in deutsche Innenstädte und Einkaufszentren, während etablierte Händler ihre Filialnetze verkleinern oder vollständig vom Markt verschwinden. Das EHI gibt einen deutschlandweiten Überblick zum 1. Halbjahr 2026.

Neu in Deutschland: Møbelkompagniet (Bild: Screensho/Moebelkompagniet)
Bild: Screensho/Moebelkompagniet
Neu in Deutschland: Møbelkompagniet
Der deutsche Einzelhandel wird zunehmend von internationalen Markteintritten, Filialschließungen und Insolvenzen geprägt. Zu diesem Ergebnis kommt der erstmals veröffentlichte "Handelsmonitor H1 2026"   des EHI Retail Institute   und der Handelsimmobilienberatung imtargis  .

Die meisten neuen Handelskonzepte stammen aus dem Ausland und eröffnen bevorzugt in hochfrequentierten Innenstädten und Einkaufszentren großer Städte. Das Spektrum reicht von Möbeln und Mode über Kosmetik bis zu Sportartikeln und Gastronomie. Vereinzelt bauen zudem bislang vorwiegend online aktive Händler eigene stationäre Standorte auf.

Internationale Konzepte expandieren


Zu den neuen Anbietern auf dem deutschen Markt gehören die Einrichtungshändler Møbelkompagniet   und Tikamoon  , die Schuhmarke Flabelus   sowie der Modeanbieter Selected  . Im Kosmetiksegment ist Maria Galland   hinzugekommen.

Weitere Markteintritte verzeichnet der Monitor mit der Dekorationsmarke Baobab Collection  , dem Outdoor-Anbieter Yeti   und dem niederländischen Gastronomiekonzept Zusje  . Bath & Body Works   plant unterdessen weitere Filialen in Deutschland.

Depot schließt weitere 66 Filialen


Gleichzeitig geraten bestehende Handelsunternehmen weiter unter wirtschaftlichen Druck. Der Dekohändler Depot   will im Zuge seiner zweiten Insolvenz weitere 66 Filialen schließen. Damit sollen nur noch rund 80 Standorte erhalten bleiben. Bereits im Insolvenzverfahren des Jahres 2024 war das Netz von etwa 400 auf rund 150 Filialen reduziert worden.

Auch die Hellweg-Gruppe   , zu der die BayWa Bau- und Gartenmärkte   und das Gartencenter Augsburg   gehören, befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Der Fall verdeutlicht den anhaltenden Kostendruck im Baumarkt- und Gartencentersegment.

Der regionale Lebensmittelhändler Feneberg   beantragte Anfang 2026 ein Schutzschirmverfahren. Im Zuge der Sanierung prüft das Unternehmen auch Veränderungen seines Filialnetzes.

Marke bleibt, Filialen verschwinden


Mehrere Insolvenzverfahren konnten im ersten Halbjahr abgeschlossen werden. Der Nonfood-Discounter Pepco   verkleinerte sein deutsches Filialnetz von etwa 65 Standorten um nahezu die Hälfte. Auch das Verfahren der Parfümerie Pieper   wurde beendet.

Der Modehändler Wormland   und der Heimausstatter Hammer verschwanden dagegen vollständig vom Markt. Der Herrenbekleidungshersteller Eterna   wurde aufgelöst und schloss seine rund 40 deutschen Filialen. Die Marke bleibt durch die Übernahme durch Olymp   erhalten.

Der Handelsmonitor erfasst halbjährlich Markteintritte, Insolvenzen und Veränderungen von Filialnetzen auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Herausgeber weisen darauf hin, dass die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
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