Wegen Staatssubventionen

Stoppt die EU-Kommission die Ceconomy-Übernahme durch JD.com?

von Joachim Graf

29.05.2026 Hatte der chinesische Staat die Finger im Spiel? Die EU-Kommission hat nach eigenen Angaben Bedenken, dass JD.com möglicherweise drittstaatliche Subventionen erhalten hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren könnten.

Geht Mediamarkt und Saturn in chinesische Hände? Nun prüft die EU-Kommission mögliche chinesische Subventionen (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Geht Mediamarkt und Saturn in chinesische Hände? Nun prüft die EU-Kommission mögliche chinesische Subventionen
Der chinesische E-Commerce-Gigant JD.com   hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die Ceconomy AG  , Mutterkonzern von MediaMarkt    und Saturn   , mehrheitlich zu übernehmen (neuhandeln berichtete)

Die Vorprüfung durch die EU-Kommission   hätte ergeben, dass JD.com möglicherweise drittstaatliche Subventionen erhalten hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren. Dazu gehören Finanzierungen zu Vorzugsbedingungen, Steueranreize und Zuschüsse, die von Akteuren gewährt wurden bzw. werden, die möglicherweise der Volksrepublik China zuzurechnen seien.

Insbesondere hat die Kommission Bedenken geäußert, dass die mutmaßlichen drittstaatlichen Subventionen JD.com unter Umständen in die Lage versetzt haben, Bedingungen anzubieten, die die Verhandlungen zur Übernahme von Ceconomy verzerrt haben könnten. Die Kommission hat nach eigenen Angaben ferner "Bedenken, dass das Vorhaben das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen in die Lage versetzen könnte, Investitions- und Geschäftsstrategien zu verfolgen, die sich auf die Wettbewerbsbedingungen im EU-Binnenmarkt auswirken."
Die möglichen chinesischen Subventionen   will die Kommission nun untersuchen. Nach den Regeln muss diese Untersuchung innerhalb von 90 Arbeitstagen abgeschlossen sein. Spätestens am 2. Oktober 2026 muss sie einen Beschluss dazu erlassen. Das eingeleitete Prüfverfahren werde "ergebnisoffen" geführt.

Übernahmeangebot mit strategischem Potenzial


JD.com bietet im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Angebots 4,60 Euro je Stammaktie. Daraus ergibt sich eine Unternehmensbewertung von rund 2,2 Milliarden Euro. Bereits jetzt hat sich JD.com durch die Zustimmung mehrerer Kernaktionäre - darunter Haniel  , Beisheim  , BC Equities, Freenet   und teilweise die Gründerfamilie Kellerhals - eine rechnerische Mehrheit von 57,1 Prozent gesichert. Nun ist unklar, ob das alles rechtens ist.

Mit dem Zusammenschluss erhält JD.com Zugriff auf rund 1.000 stationäre Standorte in Europa sowie einen der größten europäischen Onlineanbieter für Unterhaltungselektronik. Ceconomy erzielte zuletzt einen Umsatz von 22,4 Milliarden Euro - davon 5,1 Milliarden Euro über digitale Kanäle.

Die Marken MediaMarkt und Saturn sollen ebenso wie die Konzernzentrale in Düsseldorf bestehen bleiben. Für die rund 50.000 Beschäftigten kündigte Ceconomy einen dreijährigen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen an. Tarifverträge und Mitbestimmung blieben unangetastet. Das Bundeskartellamt hatte im Oktober 2025 den Erwerb der Ceconomy AG durch die JD.com freigegeben. Der Zusammenschluss weise nur wenige wettbewerbliche Berührungspunkte auf, hatte die Behörde geurteilt.
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