Online-Shopping: Mehr als jeder Zehnte fragt schon die KI
21.05.2026 Generative KI wird beim Onlinekauf immer wichtiger: Noch ersetzt sie Suchmaschinen, Preisvergleiche und Händler-Websites nicht, doch sie beeinflusst die Recherche bereits gewaltig, zeigt eine Untersuchung von Nielsen IQ. Besonders erklärungsbedürftige Technikartikel sind betroffen.
Bei mobilen Computern, Spielekonsolen und Wearables wie Smartwatches oder Fitness-Trackern liegt der Anteil der KI-gestützten Online-Recherche jeweils bei 13 Prozent. Bei Tablets sind es zwölf Prozent, bei Haarstyling-Geräten und Fernsehgeräten jeweils neun Prozent. Julia Kalkowski , Expertin für technische Konsumgüter bei NIQ, sieht KI deshalb zunehmend in der Rolle eines persönlichen Einkaufsberaters, der Produkte vergleicht, Unterschiede erklärt oder Angebote zusammenstellt.
ChatGPT dominiert KI-Produktsuche
In der KI-gestützten Produktsuche im Bereich Technik und langlebige Konsumgüter liegt ChatGPT laut NIQ deutlich vorn. 84 Prozent der NutzerInnen von KI-Suche greifen auf die Plattform zurück. Die Gemini App folgt mit 22 Prozent, während andere Angebote wie Copilot , Perplexity oder Meta AI bislang eine geringere Rolle spielen.Für Händler bedeutet das noch keinen Bruch mit den bekannten Recherchekanälen. Suchmaschinen, Preisvergleichsportale und Händler-Websites bleiben im Online-Kaufprozess für technische Konsumgüter weiterhin die wichtigsten Kontaktpunkte - zumal auch KI-Systeme ihre Informationen aus diesen Quellen beziehen. Nur zwei Prozent der Käufern nennen außerdem KI-generierte Zusammenfassungen derzeit als wichtigste Informationsquelle bei der Produktsuche.
"Aktuell ist KI eher ein zusätzlicher Recherchekanal als ein Ersatz für klassische Produktsuche", sagt Kalkowski. Die Dynamik sei jedoch hoch, besonders jüngere VerbraucherInnen integrierten KI bereits sichtbar in ihre Einkaufsroutine.
KI ist Berater, nicht Entscheider
Am häufigsten setzen VerbraucherInnen KI zum Vergleichen ein. 55 Prozent der KI-NutzerInnen verwenden generative KI für Modellvergleiche, 53 Prozent suchen nach dem besten Preis oder Angebot. Weitere Anwendungsfälle sind Markenvergleiche mit 38 Prozent, personalisierte Empfehlungen mit 35 Prozent sowie Erklärungen technischer Funktionen ebenfalls mit 35 Prozent.Die Effekte sind bereits deutlich nachweisbar. Nach NIQ-Angaben ist der KI-vermittelte Traffic auf US-Retail-Websites im Jahresvergleich um 1.200 Prozent gestiegen. Zugleich konvertieren KI-vermittelte Shopper 31 Prozent besser als andere Website-Besucher. Für Händler und Marken wird damit wichtiger, ob KI-Systeme ihre Produkte finden, verstehen und empfehlen können. Strukturierte Produktdaten, aktuelle Verfügbarkeiten, korrekte Preise und präzise Produktattribute werden zur Voraussetzung, um im KI-gestützten Kaufprozess sichtbar zu bleiben.
Allerdings darf nicht übersehen werden: Konsumenten übertragen in den seltensten Fällen Kaufentscheidung und -prozess an die KI. Sie lassen sich von der KI eher unterstützen und lösen anschließend wohlinformiert selbst die Bestellung aus. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn sie zeigt: Nicht die KI muss vom Shopbetreiber adressiert und überzeugt werden, sondern der Mensch dahinter. Der emotionale Faktor bleibt daher bei der Kundenansprache entscheidend - muss aber zunehmend über die KI ausgespielt werden.
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