EU-Kommission verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen AliExpress

von Susan Rönisch

20.07.2026 Die EU-Kommission sanktioniert AliExpress wegen unzureichender Maßnahmen gegen illegale, unsichere und gefälschte Produkte. Der österreichische Handelsverband sieht seine Kritik an internationalen Plattformen bestätigt, warnt aber zugleich vor einer nationalen Paketsteuer, die AliExpress voraussichtlich nicht erfassen würde.

 (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft
Die Europäische Kommission   hat gegen AliExpress   wegen Verstößen gegen den Digital Services Act   eine Geldbuße von 550 Millionen Euro verhängt. Die Plattform habe Risiken durch illegale, unsichere und gefälschte Produkte nicht ausreichend bewertet und begrenzt, teilt die Kommission mit.

Der Handelsverband    Österreich sieht in der Entscheidung seine langjährige Kritik an strukturellen Defiziten internationaler Online-Marktplätze bestätigt. Geschäftsführer Rainer Will fordert, dass Plattformen stärker für die Sicherheit der über sie angebotenen Produkte verantwortlich gemacht werden.

VKI findet verbotenen UV-Filter in Sonnencremes

Zusätzliche Kritik liefert ein Test des Vereins für Konsumenteninformation  . Von 14 bei AliExpress, Temu   und Shein   bestellten Sonnencremes wurde keine empfohlen. Drei Produkte enthielten den in der Europäischen Union verbotenen UV-Filter 4-MBC, vier erfüllten nicht einmal die Mindestanforderungen an Sonnenschutzmittel.

Damit gehe es nicht nur um Wettbewerbsbedingungen, sondern auch um konkrete Gesundheitsrisiken, argumentiert der Handelsverband. Will fordert deshalb wirksamere Kontrollen und eine konsequente Durchsetzung europäischer Produkt- und Plattformregeln.

5,8 Milliarden Kleinsendungen belasten Kontrollen

Im Jahr 2025 gelangten 5,8 Milliarden ECommerce-Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro in die Europäische Union. Das waren mehr als ein Viertel mehr als im Vorjahr und durchschnittlich knapp 16 Millionen Sendungen pro Tag.

Bereits 2024 kamen 91 Prozent der entsprechenden Sendungen aus China. Das stark wachsende Paketvolumen erhöht nach Einschätzung europäischer Institutionen den Druck auf Zoll- und Marktüberwachungsbehörden.

Handelsverband kritisiert österreichische Paketsteuer

Der Handelsverband wendet sich zugleich gegen die geplante österreichische Paketabgabe. Nach dem diskutierten Modell sollen Online-Händler mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz in Österreich pro Paket oder Bestellung belastet werden. Der Verband befürchtet, dass vor allem österreichische und europäische Händler betroffen wären, während AliExpress unter der Umsatzschwelle bleiben könnte.

Statt einer nationalen Sonderregelung fordert die Organisation europäische Maßnahmen wie eine stärkere Plattformhaftung, mehr Zollkontrollen und eine konsequente Anwendung des Digital Services Act. Seit dem ersten Juli 2026 erhebt die Europäische Union bereits einen pauschalen Zoll von drei Euro je Warenkategorie auf Kleinsendungen aus Drittstaaten.
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