Direktversand aus China

Ab heute wird Chinaware teurer

von Joachim Graf

01.07.2026 Billigwaren von außerhalb der EU konnten bisher ohne Zollgebühren bestellt werden. Seit heute ist damit Schluss. Lieferungen von Temu und Shein werden teurer. Das dürften Plattformen wie Temu und Shein aber kaum stoppen.

 (Bild: Körber AG)
Bild: Körber AG
Seit dem 1. Juli belegt die Europäische Union kleine Päckchen aus Ländern außerhalb der EU mit Zollgebühren. Bestellungen mit einem Warenwert bis zu 150 Euro waren bisher davon ausgenommen. Mit der neuen Regelung werden pro Bestellung jedoch mindestens drei Euro Zoll berechnet.

Die neuen EU-Regeln gegen Billigimporte dürften den Einzelversand aus China verteuern, aber das Geschäftsmodell großer Plattformen kaum grundsätzlich bremsen, so der Experte Rico Back , Managing Partner der SKR AG   in Luzern. Er meint, die Reform werde das Sendungsaufkommen nicht verringern, sondern eher die Logistik- und Abwicklungsstrukturen verändern.

Hintergrund: Geplant ist eine Drei-Euro-Zollabgabe, die nicht pro Paket, sondern pro Tarifposition erhoben wird. Enthält eine Bestellung mehrere Produktkategorien, kann die Abgabe entsprechend mehrfach anfallen. Zusätzlich plant die EU für November 2026 eine pauschale Bearbeitungsgebühr von rund zwei Euro pro importierter Sendung, unabhängig vom Warenwert.

Direktversand verliert an Attraktivität

Besonders betroffen sind daher Versandmodelle, bei denen Waren einzeln aus China direkt an Verbraucher in Europa geschickt werden. Bei Produkten mit niedrigen Margen und bei Anbietern mit manuellen Zollprozessen steigen dadurch die Kosten und der organisatorische Aufwand.

Große Plattformen wie Temu   oder Shein   können sich nach Einschätzung von Back aber schneller anpassen als kleinere Anbieter. Sie haben bereits begonnen, Waren stärker in europäische Distributionszentren zu verlagern und KundInnen von dort aus zu beliefern. Dadurch lassen sich Abläufe bündeln, Stückkosten senken und Lieferzeiten verkürzen.

Logistik wird zum Kostenhebel

Die neuen Regelungen verändern damit weniger die Nachfrage nach günstigen Importwaren als die Struktur der Lieferketten. Zoll- und Steuerprozesse müssen stärker vorab in die Abwicklung integriert werden, damit Versandgeschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Planbarkeit erhalten bleiben.

Back rechnet deshalb nicht damit, dass die Reform Anbieter aus Fernost ausbremst. "Die Warenströme verschwinden nicht, sie organisieren sich neu." Für Händler im DACH-Raum verschärft sich der Wettbewerb damit vor allem auf der Logistikseite: Anbieter mit EU-Lagern, automatisierten Zollprozessen und skalierbaren Distributionsstrukturen können die neuen Kosten eher abfedern als Händler, die weiter auf kleinteiligen Direktimport setzen.
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