Post-Purchase-Experience

Fashion-Studie 2025: Wie gut deutsche Modehändler nach dem Kauf performen

von Susan Rönisch

23.10.2025 Eine aktuelle Studie ist der Frage nachgegangen, wie gut Modehändler ihre KundInnen nach dem Onlinekauf begleiten. Untersucht wurden Transparenz, Versandprozesse, Auspackerlebnis, Retourenabwicklung und Nachhaltigkeit. Das Ergebnis: Die Post-Purchase-Experience, also alles, was nach dem Klick auf "Kaufen" passiert, bleibt für viele Fashion-Anbieter ein ungenutztes Differenzierungsfeld - mit erheblichen Potenzialen für Markenbindung und Effizienz.

 (Bild: Pixabay/ 652234)
Bild: Pixabay/ 652234
Der Online-Modehandel steht vor einer neuen Herausforderung: Nicht der Checkout entscheidet über Kundenzufriedenheit, sondern die Zeit danach. Wie zuverlässig Versand und Retoure funktionieren, wie transparent Händler kommunizieren und wie überzeugend das Auspackerlebnis inszeniert ist - all das prägt heute den Eindruck einer Marke stärker als Rabatte oder Sortimentsbreite.

Die aktuelle ParcelLab  -Studie "Fashion UNBOXED - Versandhandel Deutschland 2025" zeigt anhand von 125 realen Testbestellungen, wie unterschiedlich Händler diese Phase gestalten - und an welchen Stellschrauben sich Kundenerlebnis, Effizienz und Markenbindung zugleich verbessern lassen. Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick:

Versand: Standard dominiert, Transparenz fehlt oft

  • Nur 11,8 Prozent der Händler nennen auf der Produktseite ein konkretes Lieferdatum, rund ein Drittel macht gar keine Angaben. Im Checkout bleiben 17 Prozent der Shops ebenfalls vage.
  • Der durchschnittliche Versandpreis beträgt 4,70 Euro.
  • Kostenlose Lieferung bieten nur 5,5 Prozent, weitere 55,1 Prozent ab einem Mindestbestellwert - im Schnitt 100 Euro.
  • DHL dominiert mit 74,6 Prozent Marktanteil, gefolgt von Hermes (19,8 Prozent).
  • Nur 11 Prozent der Händler lassen KundInnen den Zusteller wählen.
  • Ein Expressversand ist bei 44 Prozent der Anbieter verfügbar und kostet durchschnittlich 12,27 Euro.

Lieferung: Nur zwei Drittel halten ihr Versprechen

  • Laut Studie treffen 68,4 Prozent der Bestellungen pünktlich ein, 21,8 Prozent verspätet.
  • Der Versand dauert im Mittel 3,5 Werktage.
  • Nur 9,6 Prozent der Händler bieten Live-Tracking am Zustelltag.
  • Click & Collect ist bei 60 Prozent der stationären Händler möglich, Click & Return nur bei 40 Prozent.

Auspackerlebnis: Markenpotenzial noch wenig genutzt

  • Knapp 70 Prozent der Händler nutzen gebrandete Verpackungen, 68 Prozent bieten leicht zu öffnende Kartons.
  • Nur 32,6 Prozent gestalten die Innenverpackung visuell ansprechend, 15,6 Prozent nutzen Seidenpapier.
  • Fast 24 Prozent verschicken Ware unverpackt - verschenktes Markenpotenzial.

Retouren: Schnell, aber oft gebührenpflichtig

  • 54,5 Prozent der Rücksendungen werden innerhalb von vier bis sieben Tagen erstattet, im Schnitt nach sechs Tagen.
  • 38,6 Prozent legen ein Retourenlabel bei, 26,8 Prozent verlangen Gebühren (im Schnitt 3,74 Euro).
  • Nur 15,8 Prozent erlauben einen Umtausch im Retourenportal.
  • Positiv: Mehr als die Hälfte der Retourenportale bieten Suchfunktionen für Abgabestellen.

Kommunikation: Hohe Frequenz, wenig Dialog

  • Onlinehändler verschicken im Durchschnitt 4,2 E-Mails bis zur Zustellung und 1,9 E-Mails während der Retoure.
  • Nur 3,1 Prozent informieren per WhatsApp oder SMS, 22,4 Prozent nutzen No-Reply-Adressen.
  • 26 Prozent der Händler fordern Bewertungen an - im Schnitt 9 Tage nach Bestellung.

Nachhaltigkeit: Fortschritte, aber Lücken

  • 70 Prozent der Versandverpackungen bestehen aus nachhaltigen Materialien, doch 41,7 Prozent der Pakete enthalten weiterhin Plastikverpackungen.
  • 38,3 Prozent der Händler versenden CO-neutral, aber nur 11 Prozent bieten CO?-neutrale Retourenoptionen.
  • Immerhin achten 58 Prozent auf passende Verpackungsgrößen.

Die parcelLab-Studie zeigt deutlich: Die Post-Purchase-Phase ist für viele Modehändler noch kein strategisches Differenzierungsmerkmal - obwohl hier Markenerlebnis, Kundenbindung und Effizienz zusammenlaufen. Wer Kommunikation, Verpackung und Retouren konsequent als Teil des Markenversprechens gestaltet, kann sich im zunehmend austauschbaren Fashionmarkt positiv abheben.
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